Warum Geist als fundamentale Substanz allen Seins plausibler scheint als Materie
Die Naturwissenschaft wird in dieser philosophischen Konzeption nicht übergangen, sondern lediglich in die Grenzen ihrer Zuständigkeit verwiesen: Ihr Geltungsbereich erstreckt sich auf das dreidimensionale und materielle Universum, das in der Abbildung schematisch durch die gestrichelte Linie unten umrahmt ist. In diesem materiellen Bereich dürfen sich die Physiker, Chemiker und Biologen sozusagen „austoben“: Sie dürfen messen und beschreiben, was immer sie dort vorfinden, und sie dürfen die Gesetzmäßigkeiten, die in diesem dreidimensionalen Raum walten, zu identifizieren versuchen. Je besser ihnen das gelingt, umso bessere Vorhersagen können sie formulieren und umso bessere technische Anwendungen können sie entwickeln. Das alles tun sie seit einigen Jahrzehnten und Jahrhunderten mit herausragendem Erfolg und es ist überhaupt nicht unsere Absicht, diese respektablen Leistungen auch nur im Geringsten zu schmälern. Im Gegenteil: Wir sind große Anhänger und Bewunderer der Wissenschaft! Dennoch muss man aus Sicht des Idealismus eines nüchtern feststellen: Physiker, Chemiker und Biologen kratzen mit ihrer hervorragenden Forschungsarbeit immer nur an der Oberfläche des Daseins. Denn das, was sich hinter dem Physischen verbirgt und das Physische erst erschafft, entzieht sich jeglicher Messbarkeit und objektiven Beweisführung (siehe hierzu unsere Artikelsammmung "Woher wissen wir, was wahr ist?"). Den Ursprung und den Zweck unseres Universums werden Naturwissenschaftler darum niemals erkennen können. Beides liegt laut Idealismus im metaphysischen Bereich, der in der Abbildung durch die obere Wolke dargestellt ist.
Wenn Neurowissenschaftler im Gehirn nach dem Bewusstsein suchen, dann ist das in etwa so, als würden Techniker ein Radiogerät auseinanderbauen, um die Musik und die Stimmen ausfindig zu machen, die durch das Gerät erklingen. Dabei würden die Techniker verschiedenste elektronische Bausteine und sogar eine Lautsprechermembran entdecken. Doch die eigentliche Quelle der Musik, die würden sie nicht finden. Sie steckt nämlich gar nicht im Radiogerät selbst, sondern liegt außerhalb des Radios. Analog dazu befindet sich der Geist nach Ansicht des philosophischen Idealismus außerhalb des materiellen Körpers, wenngleich er natürlich mit ihm in Verbindung steht – ähnlich wie eine Sendequelle mit einem Radiogerät in Verbindung steht.
Im Falle eines Jenseitskontaktes kommuniziert das Bewusstsein des Verstorbenen als eine „freie“, das heißt eine körperlich ungebundene Entität, mit einem Bewusstsein, das als geistige Struktur nach wie vor an einen materiellen Körper gekoppelt ist – nämlich an den Körper des Mediums. Nach demselben Prinzip würde die Informationsübertragung funktionieren, die nicht von verstorbenen Menschen, sondern von anderen geistigen (Kollektiv-)Wesenheiten ausgeht (siehe unsere Artikelsammlung zum Channeling): Einer der beiden Kommunikationspartner befindet sich jeweils körperlos im metaphysischen Raum, der andere ist mit seinem Bewusstsein an einen Körper gebunden.
Anders sieht es bei telepathischer Kommunikation zwischen zwei lebenden Menschen aus: Hier sind beide Bewusstseinsentitäten an ihre menschlichen Körper angedockt. In unserer Artikelsammlung über Studien zur Telepathie finden Sie etliche parapsychologische Experimente, bei denen zwischen Testpersonen, die sich in weit auseinanderliegenden, elektromagnetisch abgeschirmten Räumen aufhielten, Informationen ausgetauscht wurden, ohne dafür auf irgendeine Form eines materiellen Trägers zurückgreifen zu müssen. Die materialistische Naturwissenschaft zweifelt in Anbetracht solcher Forschungsstudien entweder die methodische Eignung des jeweiligen Settings oder aber die Interpretation der jeweiligen Resultate an. Denn die Ergebnisse als zutreffend zu akzeptieren, würde ihr gesamtes Selbst- und Weltverständnis sprengen. Ignoranz oder Ablehnung sind in solchen Situationen normale psychologische Abwehrreaktionen (siehe hierzu die Artikelseite "Starre Paradigmen und kognitive Dissonanz"). Der Idealismus hingegen erlaubt die Anerkennung solcher parapsychologischen Forschungsresultate völlig problemlos: Die aus materialistischer Sicht unmögliche Informationsübertragung kann einfach dadurch erklärt werden, dass die Kommunikation nicht durch den physischen Raum, sondern auf der Ebene der „geistigen Welt“ erfolgt, sich also bildlich gesprochen durch die obere Wolke auf der Abbildung von Abschnitt 2 vollzieht.