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Rätselhafte Anomalien

Das Phänomen "Sehen ohne Augen" (1/4)
Experimentelle Überprüfung an der Universität Bari


Das nun vorgestellte Phänomen mag nach Fake klingen, ist aber real und wir konnten es durch eigene Test überprüfen (mehr dazu auf der nächtsten Artikelseite). Bei unseren Vorabrecherchen stießen wir außerdem auf wissenschaftliche Experimente von Universitätsprofessoren aus Bari in Italien, die wir auf dieser Artikelseite vorstellen.


1) Die Experimente an der Universität Bari

An der Universität Bari wurde das „Sehen ohne Augen“ durch den Physiker Prof. Elio Conte und den Neurochirurgen Prof. Enrico Pierangeli unter Laborbedingungen überprüft und bestätigt. Für ihre Experimente nutzten die beiden Professoren eine blickdichte Maske, die in ihrem Inneren mit einem Sensor zur Messung von Licht versehen wurde. Als Versuchspersonen wurden Menschen ausgewählt, die vorgaben, das „Sehen ohne Augen“ zu beherrschen. Die Versuchspersonen sollten mit besagter Maske auf den Augen zufällig erzeugte, farbig dargestellte Wörter von einem Computerbildschirm ablesen. Während die Lichtsensoren bestätigten, dass sich die Augen unter der Maske in völliger Dunkelheit befanden, konnten die Versuchspersonen die zufällig ausgewählten Wörter stets korrekt benennen und sogar die Farben erkennen, in denen die Wörter angezeigt wurden. Dieses Ergebnis war für die beiden Wissenschaftler so verblüffend, dass sie ein zweites Experiment durchführten: Sie modifizierten die Maske dahingehend, dass zwei Infrarot-Kameras in die Maske eingebaut wurden, sodass man die Augenbewegungen in der Maske aufzeichnen konnte, während die Versuchspersonen Zufallszahlen von einem Computermonitor ablasen. Auch die erfassten Messdaten wurden erweitert: So wurde die Herzfrequenzvariabilität überprüft und mittels Elektroenzephalografie (EEG) die Gehirnaktivität aufgezeichnet. Auch dieses Experiment verlief erfolgreich: Die Versuchspersonen konnten die Zufallszahlen korrekt erkennen und vorlesen. Ausschnitte aus diesem zweiten Experiment zeigt die hier verlinkte Videoreportage.

VIDEO: Wissenschaftliches Experiment zum "Sehen ohne Augen"

4:35 Minuten, deutsche Untertitel

Prof. Conte beschreibt in diesem Video das Setting und die Ergebnisse seines Experiments zum "Sehen ohen Augen".

Was die Messung der Gehirnaktivität betrifft, gelangten Professor Conte und Professor Pierangeli zu einer aufschlussreichen Erkenntnis: Wenn die Versuchspersonen einfach nur mit geschlossenen Augen entspannt auf ihrem Stuhl saßen, ohne irgendetwas vom Bildschirm ablesen zu müssen, stellten sich im Gehirn Alpha-Wellen ein.

Das war so zu erwarten, weil die Gehirnwellenfrequenz im Zuge von Entspannung typischerweise sinkt. Alpha-Wellen reichen bis zu 8 Hertz hinunter, während wir uns im normalen Wachzustand mit unseren Gehirnwellen eher im Beta-Bereich von 14-32 Hertz bewegen. Als die Versuchspersonen zu Testzwecken bei geöffneten Augen (also ohne Maske) die Zufallszahlen vom Computerbildschirm ablesen sollten, verschwanden die Alpha-Wellen wieder. Auch das war zu erwarten, weil sich das Gehirn dann konzentrieren muss und die Gehirnwellenfrequenz entsprechend ansteigt. Nun kommt das Erstaunliche: Als die Versuchspersonen die blickdichte Augenmaske aufzogen und per „Sehen ohne Augen“ die Zahlen ablesen sollten, zeigte das EEG erneut Alpha-Gehirnwellen. Es ist jedoch höchst ungewöhnlich, dass bei einer Person, die aktiv etwas sieht und liest, Alpha-Gehirnwellen auftreten, die man ansonsten bei Entspannung und Meditation beobachtet. Eigentlich müssten konzentriertes Sehen und Lesen mit Beta-Wellen korrelieren. Das deutet darauf hin, dass es sich beim „Sehen ohne Augen“ eben nicht um eine Gehirntätigkeit handelt, die mit dem physischen Sehen und Lesen vergleichbar ist.

2) Warum die Experimente für die Wissenschaft folgenlos blieben

In einem späteren Interview mit der italienischen „Sehen ohne Augen“-Trainerin Mihaela Istrati erklärte Professor Pierangeli, dass Professor Conte und er weder eine Erklärung für die gemessenen Gehirnwellen haben, noch eine Theorie vorschlagen können, wie das „Sehen ohne Augen“ funktioniert. Professor Pierangeli war von den Ergebnissen jedenfalls so fasziniert, dass er sich zu einem Erwachsenen-Kurs angemeldet hat, um das „Sehen ohne Augen“ selbst zu erlernen – was ihm nach eigenen Angaben auch gelang. Im besagten Interview beschreibt er seine eigene Fassungslosigkeit darüber, durch die Maske hindurch sehen zu können.
Professor Conte hat sich indessen nicht weiter mit dem „Sehen ohne Augen“ beschäftigt. Er hat sich auch leider gegen eine formale Veröffentlichung seiner Versuchsergebnisse entschieden, weil ihm unklar ist, wie sie interpretiert werden können und er nichts in einem Fachjournal veröffentlichen möchte, was er sich selbst nicht erklären kann. Und so gibt es zum Sehen ohne Augen – wie auch zur Telekinese – keine einzige wissenschaftliche Publikation, über die in akademischen Kreisen diskutiert wird.

VIDEO: Prof. Pierangeli im Interview

11:08 Minuten, englisch

In diesen älteren Video - leider mit dürftiger Tonqualität - schildert Prof. Pierangeli die Ergebnisse der Experimente und seine Schlussfolgerungen daraus.

3) Weiterführende Informationen