Was Platons Idealismus ausmacht und welche Indizien ihn stützen
Die Rebellion gegen das Göttliche als Ursprung der Bösartigkeit in der Welt zeugt auch dort von einer bewussten und freien Entscheidung gegen das ursprünglich Gute. Dasselbe Muster finden wir auch in manchen zeitgenössischen Channelings wie etwa dem Ra-Kontakt. Dort wird behauptet, dass sich jedes Lebewesen im Laufe seiner Weiterentwicklung „polarisieren“ muss: Entweder wählt es den positiven Pfad („Dienst an Anderen“) oder den negativen Pfad („Dienst am Selbst“). Im ersten Fall wählt es den „Weg dessen, was ist“, im zweiten Fall den „Weg dessen, was nicht ist“. Wieder wird also das Böse als substanzlos charakterisiert (negativer Pfad; Weg dessen, was nicht ist). Bösartigkeit zeigt sich bloß als Missachtung oder Ablehnung dessen, was eigentlich ist – nämlich das Gute (im Ra-Kontakt wird es als „Liebe“ beziehungsweise „Licht“ bezeichnet). Mehr zu alledem finden Sie im Themenbereich "Religion, Mythologie und Spiritualität".
Für die Annahme, dass sowohl der Ursprung als auch der Zielpunkt der Schöpfung in einem vollkommenen und gutartigen „Ur-Geist“ liegen, lassen sich noch weitere Indizien ins Feld führen. Eines davon stützt sich auf eine simple Alltagsbeobachtung: Offenkundig streben Menschen in vielerlei Hinsicht nach Bestleistungen oder bewundern diese bei anderen. Dieses Streben nach und Anerkennen von Perfektion lässt sich im Sinne Platons als Orientierung an „das Gute“ betrachten: Wir fühlen uns zur Vollkommenheit hingezogen und bemühen uns dementsprechend um eine bestmögliche Entfaltung unserer Potentiale. Des Weiteren sind wir Menschen offensichtlich vernunftbegabt. Für Platon ist auch das ein sicheres Zeichen unserer „Ebenbildlichkeit zum Göttlichen“. Vernunft ist als Voraussetzung zur Erkenntnis, Einsicht und Selbstreflexion ein wesentlicher Aspekt des „Guten“. Vernunftbegabung bedeutet, dass wir das Potential besitzen, uns dem „Guten“ hinzuwenden. Lassen wir dieses Potential ungenutzt, mag es sein, dass sich unser Streben nach Perfektion als ein blindes Streben in Bereichen vollzieht, die zu leidvollen Erfahrungen führen. Man denke hier zum Beispiel an das irrige Ideal der Nationalsozialisten, ein tausendjähriges Reich mit einer reinrassigen Bevölkerung errichten zu wollen.
Hinter dem Begriff „Idee“ verbirgt sich vielmehr eine Art geistiges, abstraktes Bild oder Muster. „Das Gute“ stellt wie oben beschrieben die erste und ursprüngliche Wirkursache der gesamten Schöpfung dar. Man könnte es auch als die erste und höchste Idee bezeichnen: Es ist das Muster, aus dem alles andere hervorgeht. Die weiteren Ideen sind demnach untergeordnete Muster, die ihrerseits formgebend auf die Materie wirken. Sie stellen eine Art „Blaupause“ für die materiellen Objekte des Universums beziehungsweise die Gegenstände unseres Alltags dar.
Machen wir uns das am besten anhand einfacher Beispiele verständlich: Für alles, was wir sehen und anfassen können, gibt es nach Platons Ideenlehre ein entsprechendes „geistiges Urbild“. In Ihren Händen halten Sie gerade dieses Buch. Vielleicht stehen weitere Bücher in Ihrem Bücherregal. Die einen sind größer, die anderen kleiner. Doch egal wie groß oder klein Ihre Bücher sind – sie alle sind Bücher: Sie haben alle irgendeine Art von Cover, enthalten unterschiedlich viele bedruckte Seiten und wurden von einem oder mehreren Autoren verfasst, damit Sie darin lesen können. Wenn Sie aus dem Fenster schauen, sehen Sie vielleicht einen oder mehrere Bäume. Oder Sie sehen andere Häuser. Jeder Baum sieht etwas anders aus als der andere und auch Häuser unterscheiden sich in Form, Größe und Bausubstanz. Dennoch sind sie allesamt Bäume beziehungsweise Häuser. Sie verfügen über Wurzeln, einen Stamm und eine Baumkrone beziehungsweise über ein Fundament, Wohnraum und ein Dach. Nun könnten wir das gleiche Spiel mit Grashalmen, Katzen, Gebirgen, Planeten, Sternen und sogar Galaxien treiben. Immer zeigt sich, dass sich die Materie in bestimmten Formen zusammensetzt, die einander sehr ähnlich sind und auf gleichen „Grundmustern“ basieren. Genau diese abstrakten Grundmuster sind Platons Ideen. Sie wirken wie formgebende „Baupläne“ für die Schöpfung.
Mit unseren fünf Sinnen könnten wir Platons Ideen gar nicht greifen. Wir können nur indirekt auf sie schließen: Wenn wir die Bücher, Bäume, Häuser und Grashalme um uns herum betrachten, sehen wir gewissermaßen die „Schatten“, die die jeweiligen Ideen in unsere materielle Welt hineinwerfen.
In populären Darstellungen von Platons Philosophie werden davon ausgehend häufig zwei Welten kontrastiert: Auf der einen Seite liegt unser physisches, raumzeitliches Universum mitsamt unserer wahrnehmbaren Alltagsumgebung. Diese Welt wird gerne als Platons „Schattenwelt“ bezeichnet. Religiöse Menschen mögen sie die „irdische Welt“ oder das „Diesseits“ nennen. Auf der anderen Seite befindet sich das „Reich der Ideen“ als eine rein geistige, nichtmaterielle, nichträumliche und zeitlose (also ewige) Wirklichkeit. Religiöse Menschen würden diese Welt als „Jenseits“ oder „Himmelreich“ deuten. Modern gesprochen könnte man sie vielleicht auch als eine Art „Informationsdimension“ umschreiben. Denn hier liegen ja mit Platons „Ideen“ die „geistigen Baupläne“ für die Ausgestaltung der konkreten Erscheinungen des materiellen Universums bereit.
Unkonventionelle Wissenschaftler wie der Biologe Rupert Sheldrake oder der Physiker Burkhard Heim haben diesen Gedanken mehr als 2000 Jahre nach Platon in abgewandelter Form wieder aufgegriffen. Beide argumentieren, dass der Kosmos mit all seinen Lebensformen aus einem nichtmateriellen Bereich heraus organisiert und strukturiert werden muss. Rupert Sheldrake spricht in diesem Zusammenhang von morphischen Feldern, Burkhard Heim von einer strukturgebenden Entelechie-Dimension. Mehr dazu können Sie in der Artikelsammlung zu Rupert Sheldrake und seinen morphischen Feldern sowie in der Artikelsammlung zu Burkhard Heim und seinem sechsdimensionales Weltbild nachlesen bzw. nachhören.
Den Begriff „Bewegung“ würden spirituelle Menschen heutzutage eher mit dem Begriff „Energie“ umschreiben – freilich nicht in einem physikalisch messbaren Sinne. Eine breitere Definition von Energie als eine Art „Kraftquelle“ oder als „Fähigkeit, Aktivität zu entfalten“, trifft es aber recht gut. Modern ausgedrückt stellt die Seele demnach eine geistige, ewig wirkende und kreative Energiequelle dar, die keiner externen Energiezufuhr bedarf. Sie schöpft ihre Energie vollständig aus sich selbst heraus. Sie selbst ist Energie (Bewegung). Als solche kann sie völlig autonom wahrnehmen und handeln. Materie hingegen kann das nicht. Materie bedarf für all ihre Handlungen stets einer äußeren Energiequelle. Ohne eine Seele würde keine Pflanze wachsen. Und ohne eine Seele könnte kein Mensch diese Zeilen lesen und erst recht nicht über das Gelesene nachdenken.
Quantenphysiker konnten nachweisen, dass sich kleinste Teilchen wie Elektronen und sogar deutlich größere Objekte wie Moleküle am Doppelspalt wie Wellen verhalten, die keinerlei Eigenschaften aufweisen, die wir von Materie erwarten würden. In diesem sogenannten „Überlagerungszustand“ durchqueren die Quantenobjekte zwei Spalte gleichzeitig, was bedeutet, dass sie keine klare Ortsposition haben. Sie scheinen in diesem Zustand eben keine festen Teilchen, sondern eine Art „Wellenwolke“ zu sein, die durch beide Spalte zugleich schwappt. Aus dieser seltsamen „Wellenwolke“ kann aber prinzipiell ein Teilchen hervorgehen. Das geschieht immer dann, wenn es infolge einer Messung zu einem „Wellenkollaps“ kommt: Sobald Physiker mithilfe einer Messvorrichtung die Information erzwingen, wann welcher Spalt passiert wird, manifestiert sich die „Wellenwolke“ umgehend als Teilchen mit einer bestimmbaren Ortsposition. An welcher genauen Position das Teilchen erscheint, kann man im Voraus allerdings nicht zu hundert Prozent wissen. Es lassen sich statistische Wahrscheinlichkeiten angeben, doch innerhalb dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung waltet nach aktuellem Forschungsstand der Zufall.
Warum Teilchen nicht von Anfang an einfach Teilchen sein können, sondern erst durch eine Messung zu Teilchen im klassischen Sinne werden, bleibt rätselhaft. Was genau diese „Wellenwolke“ sein soll, die im Moment der Messung zu einem festen Teilchen kollabiert, kann uns die Naturwissenschaft nicht wirklich begreiflich machen. Physiker können formale Eigenschaften einer solchen Welle mathematisch beschreiben und daraus sogar korrekte Prognosen ableiten. Eine verständliche Interpretation dessen, was warum am Doppelspalt geschieht, bleiben sie uns aber schuldig.
Mehr noch: Es hat sogar die Nase vorn, wenn es darum geht, die Erkenntnisse der Reinkarnationsforschung, der Nahtodforschung und der Parapsychologie einzuordnen. Laut Platon wäre das Verhältnis zwischen Geist und Gehirn jedenfalls genau umgekehrt zum Materialismus zu betrachten: Nicht das Gehirn erzeugt den Geist, sondern die Seele belebt als sich selbst bewegende Lebensenergie den Körper samt dessen Gehirn.
Wenn Neurowissenschaftler mit bildgebenden Verfahren unsere Gehirnaktivität untersuchen, sehen sie im Sinne Platons nichts als Materie, die durch die bewegende Kraft der Seele belebt wird. Die belebende Kraft selbst sehen sie aber nicht, denn die ist ja nichtphysischer Natur. Unser mit Vernunft ausgestattetes Bewusstsein kann aus dieser Perspektive nicht vom materiellen Gehirn erzeugt werden. Bewusstsein registriert bloß unsere körperlich-sinnlichen Wahrnehmungen, um sich in seinen entsprechenden Reaktionen wiederum in der Gehirnaktivität niederzuschlagen, sodass das Gehirn auf rein physischer Ebene die entsprechenden Körperreaktionen koordinieren kann.
Während die Seele mit einem Körper verbunden ist, bleibt unser Bewusstsein in seiner Wahrnehmung stets an die Körpersinne gebunden und deshalb durch diese eingeschränkt. Das erklärt, warum wir uns im normalen Wachbewusstsein nicht als das erfahren, was wir eigentlich sind: Weil wir als Seele an einen materiellen Körper „angedockt“ sind, erleben wir die Welt nicht als „freie Seele“ in nichtphysischen Dimensionen, sondern betrachten uns durch die Wahrnehmungsfilter unseres Gehirns und unserer Körpersinne als fleischliche Menschen. Gemäß Platons Konzept der „Amnesie“ verfügen wir in diesem Zustand über keinen unmittelbaren Zugang zu der nichtphysischen Umgebung, aus der wir eigentlich stammen.