Je genauer man die Materie unter die Lupe nimmt, desto verblüffender wird ihr Verhalten und desto unklarer ihre Beschaffenheit. Hiervon zeugt das wohl berühmteste Experiment der Quantenphysik: Das Doppelspaltexperiment.
Denn die Lichtteilchen, die neben, über oder unter dem Spalt auf die Platte auftreffen, würden ja von dieser zurückgehalten und könnten darum nicht auf der dahinterliegenden Projektionsfläche erscheinen. Das Licht würde sich dann so verhalten, als würde man kleine Beeren durch die Spalte werfen. Hinten auf der Projektionsfläche sähen wir dann zwei parallele Beeren-Matsch-Streifen (siehe die linke Seite des Bildes).
Tatsächlich geschieht bei Lichtstrahlen aber etwas anderes: An der Projektionsfläche zeigt sich ein sogenanntes Interferenzmuster. Das beweist ganz klar, dass ein Lichtstrahl sich wie eine Welle ausbreiten kann. Denn wenn eine Welle an einen Doppelspalt trifft, dann bricht sie sich und wird geteilt. Denken Sie hierbei am einfachsten an eine Wasserwelle. Stellen Sie sich vor, wie eine solche auf den Doppelpalt zufließt. Sobald sie durch die beiden Spalte hindurchschwappt, teilt sie sich. Hinter jedem Spalt breitet sich dann je eine „Teil-Welle“ aus. Jede dieser beiden Wellen setzt ihren Weg in Richtung Projektionsfläche fort. Dabei überlagern sich die beiden Wellen: An manchen Stellen türmen sich die Wellenberge der beiden „Teilwellen“ zu noch höheren Erhebungen auf, an anderen Stellen gleichen sich Wellenberg und Wellental aus. Die Streifen an der Wand spiegeln die Wellenberge wider: An diesen Stellen schlagen sich die sich überlagernden Wellen mit der stärksten Intensität nieder (siehe die rechte Seite des Bildes).
Wenn man nämlich das Experiment ein klein wenig modifiziert, verschwindet das Wellenmuster plötzlich wieder und sowohl Licht als auch Elektronen, Atome und Moleküle verhalten sich auf einmal so, wie man das von kleinen Teilchen erwarten würde. Um diesen Effekt zu erzielen, muss man nichts weiter tun, als einen Detektor an einem der beiden Spalte anzubringen. Das taten die Quantenphysiker, weil sie genauer wissen wollten, welchen genauen Weg Licht, Elektronen, Atome und Moleküle durch den Doppelspalt nehmen. Zur Verblüffung der Physiker verhielten sich die Quantenobjekte daraufhin anders als zuvor. Allein aufgrund des Messvorgangs erschienen auf der Projektionsfläche umgehend zwei parallele Streifen – so als würde man kleine Beeren und nicht Wellen durch die Spalte schießen (siehe Bild).
3:39 Minuten, deutsch
Diese einfache Animation vom Youtube-Kanal 100SekundenPhysik vermag den Versuchsaufbau und die Ergebnisse des Doppelspaltexperiments noch besser zu verdeutlichen.
Das ist so ungewöhnlich, dass selbst Albert Einstein es nicht glauben mochte: „Gott würfelt nicht!“, schrieb er 1926 an den Quantenphysiker Max Born. Einstein vermutete, dass beim „Kollaps der Wellenfunktion“ und der damit einhergehenden Manifestation konkreter Teilchen vielleicht irgendwelche anderen Faktoren im Spiel sein könnten, die die Physiker nur noch nicht entdeckt hätten. Seit über einem Jahrhundert hat man solche „versteckten Variablen“ jedoch nicht finden können. Die Mehrheit aller Quantenphysiker geht deshalb davon aus, dass auf dieser fundamentalsten Ebene der Materie tatsächlich echter Zufall herrscht.