Themenbereich
Bewusstseinsforschung

Forschung an Kindern, die vorgeben, frühere Leben zu erinnern (2/5)
Fallbeispiel: James Leininger


Wie die Erinnerungen des kleinen James Leininger an ein Vorleben als US-Soldat historisch überprüft werden konnten


1) Von James Albträumen, seiner Obsession für Flugzeuge und einer merkwürdigen Zeichnung

James Leininger war zwei Jahre alt, als er von ständig wiederkehrenden Alpträumen heimgesucht wurde. Darin erlebte er sich als Pilot eines brennenden, abstürzenden Flugzeugs, aus dem er nicht entkommen konnte. Die Alpträume hielten über Monate hinweg an und ließen sich nach Meinung der Eltern unmöglich durch Fernsehbilder oder aufgeschnappte Erzählungen erklären. James habe stets nur kindgerechte Sendungen geschaut und ein Flugzeugabsturz sei zu Hause nie Gegenstand von Tischgesprächen gewesen.

Im Spiel zeigte James seinen Eltern zufolge eine seltsame Obsession für Flugzeuge, und zwar ganz besonders für Militärflugzeuge. Mehr noch: Als er älter wurde und zu sprechen begann, beeindruckte er seine Eltern mit einem erstaunlichen technischen Wissen über solche Flugzeuge. James war zu dieser Zeit erst drei Jahre alt und konnte noch nicht einmal lesen.

Mit zunehmenden sprachlichen Fähigkeiten erzählte er seinen Eltern immer detailreicher von seinen Erinnerungen – meistens beim Zubettgehen. 

Er behauptete, als US-Soldat auf einem Flugzeugträger namens „Natoma“ gedient zu haben. Er habe ein Kampfflugzeug des Typs „Corsair“ geflogen und sei bei einem Luftkampf mit japanischen Piloten abgeschossen worden. Daraufhin sei er mit seiner brennenden Maschine ins Meer gestürzt. James berichtete auch von einem damaligen Kameraden namens „Jack Larson“. Und er erzählte, wie er selbst geheißen habe: „James“ – also genau so, wie in seinem jetzigen Leben. Hierzu gab es noch eine weitere Merkwürdigkeit: Sobald der kleine James Leininger seinen Namen schreiben konnte, pflegte er seine Kinderzeichnungen mit „James 3“ zu unterschreiben. Wie das zu verstehen war, konnten die Eltern zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. 

2) Warum der skeptische Vater von seinen Nachforschungen überrascht wurde

Weil die Eltern von James Leininger christlichen Glaubens sind, ließ sich das Konzept der Wiedergeburt mit ihrem Weltbild nicht vereinbaren. Insbesondere der Vater wehrte sich vehement gegen die Vorstellung, sein Sohn könnte schon einmal gelebt haben. Mit der Absicht, die Geschichten seines Sohnes als Hirngespinste zu entlarven, begann er, historische Archive und Bücher zu durchforsten und Kontakt zu Veteranenverbänden der US-Army aufzunehmen. Er wollte definitiv ausschließen können, dass ein Flugzugträger „Natoma“ mit einem Piloten namens „James“ und einem Kameraden namens „Jack Larson“ existierte. Zu seinem Erstaunen musste er dann aber feststellen, dass es tatsächlich einen Flugzeugträger namens „USS Natoma Bay“ gegeben hat. Während des zweiten Weltkriegs wurde dieser im Kampf gegen Japan im Pazifik eingesetzt. Mehr noch: Tatsächlich diente auf der USS Natoma Bay ein Soldat namens „Jack Larson“ und tatsächlich waren dort Kampfflugzeuge des Typs „Corsair“ im Einsatz. Und tatsächlich gab es einen tödlichen Zwischenfall, bei dem ein Soldat im Luftkampf mit japanischen Jagdfliegern abgeschossen wurde. Sein Name: James M. Houston Junior. Dass der kleine James Leininger sich selbst als „James“ erinnerte und seine Bilder als „James 3“ unterzeichnete, ergab plötzlich Sinn: Als James Leininger war er „James 3“, in seinem Vorleben als Pilot James M. Houston Junior war er „James 2“ und dessen Vater James Houston Senior war „James 1“.

USS Natoma Bay 1944
Bildquelle: Naval History and Heritage https://www.history.navy.mil/

Rund um den Fall James Leininger gibt es noch weitere interessante Begebenheiten – zum Beispiel das Wiedersehen mit einigen seiner damaligen Kameraden in einem Militärmuseum in Fredericksburg (Texas). 

Als James mit seinem Vater Bruce dort eintraf, erkannte und benannte der kleine James sofort einen der Veteranen als „Bob Greenwald“, obschon dieser sich nicht vorgestellt hatte und auch Vater Bruce dessen Namen nicht erwähnt hatte. Auf die Frage, woher James den Namen des Mannes kenne, antwortete er, er habe seine Stimme wiedererkannt.

Auch mit der noch überlebenden Schwester aus James Vorleben, Anne Houston Barron, wurde ein Gespräch arrangiert. Darin nannte der kleine James Leininger viele Details, wie zum Beispiel, dass er seine Schwester stets „Annie“ genannt habe, dass sie eine gemeinsame, ältere Schwester namens Ruth hatten, dass ihr Vater Alkoholiker gewesen sei und dass ihre Mutter jedem der Kinder Portraitbilder geschenkt habe, die vom gleichen Künstler stammten. Anne bestätigte all diese Angaben und gewann im Laufe des Gesprächs die Überzeugung, dass der kleine James Leininger tatsächlich ihr wiedergeborener Bruder sein müsse. So überließ sie ihm sämtliche persönlichen Gegenstände, die sie noch von ihrem Bruder aufbewahrt hatte.

VIDEO: TV-Bericht über den Fall James Leininger

32:10 Minuten, englisch

Der interessante Fall des damals dreijährigen James Leininger, der sich an ein früheres Leben als Pilot im zweiten Weltkrieg erinnert, wurde in mehreren TV-Sendungen dokumentiert. Der Junge erinnerte sich, dass er von den Japanern im Pazifik abgeschossen wurde und dabei starb. Dabei nannte er viele Details zu seinem Flugzeug, dem Flugzeugträger auf dem er stationiert war und sogar Namen anderer Piloten, mit denen er geflogen ist.

Dieses Video ist ein Zusammenschnitt von einer Reportage des Senders NBC, eines Vortrages von Prof. Jim Tucker und einem späteren Interview mit James Leininger und seiner Familie beim TV-Sender FOX. In diesem späteren Interview ist James bereits ein Jugendlicher.

In den Quellenangaben unter ist außerdem noch eine interessante Netflix-Doku zum Fall James Leininger verlinkt (siehe "Weiterführende Informationen und Buchtipps")

3) James Aussage über das Jenseits - Suchen sich Kinder ihre Eltern aus?

Die wahrscheinlich bemerkenswerteste Aussage hat James allerdings nicht in Bezug auf sein Vorleben, sondern in Bezug auf sein heutiges Leben getroffen:

Fast beiläufig erwähnte er nämlich eines Tages, dass er sich seine Eltern bewusst ausgesucht habe. Als er noch im „Himmel“ war, habe er die beiden in einem großen pinken Hotel beobachtet und das Gefühl gehabt, dass sie gute Eltern für ihn sein würden. Tatsächlich verbrachten Bruce und Andrea Leininger nur fünf Wochen, bevor Andrea mit James schwanger wurde, einen Urlaub im Royal Hawaiian Hotel in Honolulu.

Das "Royal Hawaiian" Hotel in Honolulu
Bildquelle: Wikimedia Commons (CC, Author: Frank Schulenburg)

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps