Wo trotz aller Unterschiede im Detail der gemeinsame Kern aller Religionen steckt
Selbst der Physiker Burkhard Heim konnte sich für den Gedanken der Wiedergeburt erwärmen und nahm an, dass diese nicht zufällig erfolgt, sondern von der Qualität des psychisch-mentalen Komplexes abhängt, der sich einen neuen Körper im Bios sucht (siehe hierzu unsere Artikelseiten zu Heims Syntrometrie und zu Heims Deutung paranormaler Phänomene). Moralische Implikationen lagen Heim dabei aber fern.
Die abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) lehren keine Wiedergeburt, wohl aber ein Leben nach dem Tod. Es gibt hier auch kein Karma. Dennoch kann unser Verhalten zu Lebzeiten je nach Religion einen Einfluss auf das nehmen, was danach kommt. Wer Erlösung und in den Himmel will, muss Gottes Gnade erhoffen und seinen Geboten folgen. Im Alten Testament und im Koran werden ehrfürchtiger Glaube und unbedingter Gehorsam verlangt. Ungläubigen und Sündern drohen im Islam und im Christentum ewige Höllenqualen, die auf besonders martialische Weise im Koran, zum Teil aber auch im neuen Testament umschrieben werden.
Auch der Islam lehrt Rücksichtnahme und Solidarität, insbesondere mit den Armen und Schwachen. Das Gebot, Almosen zu entrichten („Zakāt“), gehört zu den fünf grundlegendsten Pflichten eines jeden Muslimen. Keine einzige der großen Religionen predigt das Streben nach Macht und Reichtum. Bedenken Sie in diesem Zusammenhang auch die Symbolik, die sich hinter Jesu Geburt in einem Stall (!) und seinem Einzug in Jerusalem auf dem Rücken eines Esels (!) verbirgt.
In den fernöstlichen Religionen wird Erlösung als Ausstieg aus „Samsara“, dem ewigen und leidvollen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt angestrebt. Um diesen Zustand zu erreichen, muss sich ein Mensch all seines negativen Karmas entledigen. Dies erfordert wiederum, sich von Gier, von Ruhmsucht und von Hass zu befreien, um stattdessen die Verbundenheit mit anderen beziehungsweise mit dem All-Einen zu stärken. Buddha beispielsweise wandte sich vom wohlhabenden Hof seiner adligen Eltern ab, um in der Meditation Erleuchtung zu finden und sein Erfahrungswissen mit anderen Menschen zu teilen.
In Genesis 22(1-18) fordert Gott Abraham auf, seinen Sohn Isaak zu opfern. Auch die Leiden Hiobs (Buch Hiob) können als Prüfung Gottes oder aber als eine unergründliche „Sühne des Gerechten“ interpretiert werden, sofern Gott sogar die Frommen und Unschuldigen leiden lässt.
Uns persönlich erscheinen diese Konzepte des Alten Testamentes ebenso wie das Motiv der Bestrafung rational überhaupt nicht nachvollziehbar. In Anbetracht des unermesslichen Leids, das gerade dem jüdischen Volk selbst widerfahren ist (Diaspora, Holocaust), bleibt die Frage, warum Gott derartiges Leid zulässt, nicht zuletzt aus Sicht des Judentums ein riesiges Mysterium. Das fernöstliche Konzept des Karma macht das Leid der Juden und anderer Opfer von Vertreibung, Unterdrückung, Folter, Krieg und Vernichtung natürlich auch nicht erträglicher. Weil es aber ohne das Konzept eines personenhaften und allmächtigen Gottes auskommt, sondern menschliches Leiden stets als von Menschen selbst verursacht ansieht, gerät es nicht in die Erklärungsnöte, denen sich die abrahamitischen Religionen ausgesetzt sehen, wenn sie die Frage beantworten müssen, warum ihr Gott schreckliches Leid zulässt oder gar will.