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Philosophie & Wissenschaft

Ist Realität virtuell? (1/5) 
"My Big Theory of Everything"


Seit Einstein suchen Physiker nach der "Weltformel", einer Theorie von Allem (Theory of Everything). Laut dem Physiker und Bewusstseinsforscher Thomas Campbell aus den USA ist dieses Vorhaben zum Scheitern verdammt, solange die Physik am Materialismus festhält. Hier folgt eine kurze Einführung in Campbells neuartigen Ansatz, der Physik und Metaphysik auf ungewöhnliche Weise vereint.


Inhaltsübersicht:

1) Zur Person: Wer ist Thomas Campbell?

Thomas Campbell (*1944) arbeitete als Analyst und Entwickler für die NASA und das US-Verteidigungsministerium.

In diesen Funktionen bewegte er sich außerhalb der universitären Forschung. Entsprechend schlecht ist er in akademischen Kreisen vernetzt. Seine „große Theorie von Allem“ entwickelte er nebenher an einem Privatinstitut, das im wissenschaftlichen Mainstream als pseudowissenschaftlich gilt (mehr dazu erfahren Sie im letzten Abschnitt dieses Artikels: "Campbells unorthodoxe Forschungsmethode"). Bisherige Versuche, seine Theorie in Fachkreisen bekannt zu machen, scheiterten. Erfolgreicher waren Campbells Bemühungen, seine Theorie einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. So hat er eine populärwissenschaftliche Buch-Trilogie verfasst, die inzwischen auch ins Deutsche übersetzt wurde (siehe Literaturtipps am Seitenende). Des Weiteren hat Campbell unzählige Vorträge gehalten und Interviews gegeben, unter anderem ein millionenfach geklicktes Interview mit dem bekannten US-amerikanischen Podcaster Joe Rogan (https://www.youtube.com/watch?v=tQR6SFK7lFc).

Unter diesem Link finden Sie einen YouTube-Kanal, auf dem Sie mehr als hundert solcher Vorträge und Interviews zu verschiedenen Aspekten seiner Theorie anschauen können: https://www.youtube.com/channel/UC0CBPZ2bernavMhlLGpdcFA

Unten finden Sie außerdem einen Ausschnitt aus einem Vortrag, bei dem Thomas Campbell etwas ausführlicher über seine Vita spricht.

VIDEO: Wer ist Thomas Campbell?

13:39 Minuten, deutschsprachige Übersetzung

Physiker und Autor Thomas Campbell stellt in diesem 13-minütigen Auszug aus einem seiner Vorträge kurz seinen eigenen Werdegang vor. Dabei spricht er sowohl über seine berufliche Entwicklung als auch über seine Forschung im Bereich außerkörperlicher Wahrnehmungen zusammen mit Bob Monroe. Mehr hierzu auch in Abschnitt 4: Campbells unorthodoxe Forschungsmethode

2) Der Ausgangspunkt von Campbells Theorie: Bewusstsein ist fundamental

Der Schlüssel zum Verständnis von Campbells Theorie liegt in der Grundannahme, dass Bewusstsein fundamental und unsere physische Welt als virtuelle Realität davon abgeleitet ist. Damit steht Campbell in der Tradition idealistischer Philosophien, wie wir sie in der Artikelsammlung "Geist über Materie?" bei Platon oder Schopenhauer vorfinden. Beide hatten erkannt, dass unsere sinnliche Wahrnehmung samt ihrer Deutung durch unseren Verstand nicht zwingend die wahre Beschaffenheit der Welt abbilden, sondern uns womöglich nur eine kleine, gefilterte, interpretierte Version (Schopenhauers „Welt als Vorstellung” oder Platons „Schatten”) von etwas eigentlich viel Größerem liefert. Wie die Welt wirklich (Kant: „an sich”) beschaffen ist, entzieht sich damit logischerweise auch der wissenschaftlichen Methodik, die ja nichts weiter tut, als mittels empirischer Beobachtung und rationaler Schlussfolgerung unsere wahrnehmbare Außenwelt und damit eben nur die Gesetzmäßigkeiten einer bloß „vorgestellten Welt” (Schopenhauer) zu untersuchen. Oder in Campbells Worten ausgedrückt: Gewöhnliche Wissenschaft erkundet nur die „Spielregeln” (Naturgesetze) einer „virtuellen Realität” (nämlich unseres physischen 3D-Universums), kann aber nicht begreifen, wer diese virtuelle Realität samt ihren Spielregeln wie und warum erzeugt und in Gang hält.

Campbell ist nicht der einzige Wissenschaftler, der mit der philosophischen Grundidee aufwartet, dass unser Universum womöglich nichts weiter als eine bewusstseinsbasierte Konstruktion darstellt. Neben ihm haben in unterschiedlich ausgeprägter Weise der Quantenphysiker David Bohm, der Neurowissenschaftler Karl Pribram, der Autor Michael Talbot sowie der Biologe Robert Lanza ähnliche Ansätze verfolgt. Auch die wissenschaftliche Randdisziplin der digitalen Physik, die seit Edward Fredkin argumentiert, warum unser Universum eine Simulation sein könnte, weist in die gleiche Richtung, wobei sie allerdings einen materiellen Computer und nicht Bewusstsein als Quelle dieser Simulation annimmt. Die passenden Literaturangaben zu all diesen Autoren und Ansätzen finden Sie am Ende dieses Artikels.

Unter den genannten Theoretikern ist Thomas Campbell unseres Wissens der erste, der ein Totalmodell entwickelt hat, das den Anspruch erhebt, nicht nur die gesamte Physik, sondern auch die nichtphysischen Aspekte unserer Realität samt paranormaler Phänomene zu erklären – eine „große Theorie von Allem“ eben. Im Folgenden möchten wir zunächst das Grundkonzept dieser „großen Theorie von Allem“ in ganz einfachen Worten erklären. Auf den nächsten Artikelseiten schauen wir uns bestimmte Aspekte noch etwas genauer an. Sie können zum Beispiel helfen, die Paradoxien der Quantenphysik, das Geist-Gehirn-Problem sowie das Wesen paranormaler Phänomene zu interpretieren.


3) Die physische Welt als Simulation: Ein erster Überblick

Campbell entwickelt seine Theorie ausgehend von zwei Axiomen.

Axiome sind Grundannahmen, die selbst nicht begründet, sondern so „gesetzt“ werden. Jede wissenschaftliche Theorie stützt sich notwendigerweise auf Axiome (siehe unsere Artikelseite zu den Axiomen). Die Frage ist nur, wie plausibel und wie zahlreich diese Axiome sind. Je weniger Axiome eine Theorie braucht, desto weniger spekulativ ist ihr Fundament. Und je plausibler und nachvollziehbarer sie sind, desto realitätsnäher dürfte die darauf aufgebaute Theorie ausfallen. Die beiden Axiome von Campbells großer Theorie von Allem lauten:

1. Die grundlegende Substanz allen Seins ist Bewusstsein
2. Es gibt einen Evolutionsprozess

Der Ursprung von allem, was es gibt, ist also Bewusstsein, und zwar zunächst als ungeteilte Substanz. Campbell nennt die Anfangsphase dieses Bewusstseins „Absolute Unbounded Oneness“ (AUO, „absolute unbegrenzte Einsheit“). Weil Campbell zugleich einen Evolutionsprozess unterstellt, strebt dieses Ur-Bewusstsein nach einem optimalen Zustand. Doch was ist ein optimaler Bewusstseinszustand?

Was Evolution mit Liebe zu tun hat

Obschon Campbell als Physiker nicht von spirituellen oder religiösen Lehren ausgeht, betrachtet er in Übereinstimmung mit denselben die bedingungslose Liebe als höchstes Ziel von Bewusstseinsentwicklung. Das Gegenteil von Liebe ist laut Campbell nicht etwa Hass, sondern Angst. Hass sei nur eine Folge von Angst.
Das alles mag auf den ersten Blick nicht sehr wissenschaftlich klingen. Liebe und Angst sind schließlich keine physikalischen Kategorien. Für Naturwissenschaftler sind Liebe und Angst bloß Empfindungen, die im physischen Gehirn erzeugt werden. Als solche haben sie laut Naturwissenschaften keine eigene, das heißt keine vom materiellen Gehirn unabhängige Substanz. Bei Campbell verhält es sich jedoch genau umgekehrt: Weil er Bewusstsein als fundamentale Substanz alles Seienden annimmt, kann aus seiner Sicht das Gehirn nicht unabhängig von Bewusstsein existieren. Unsere Körper und unsere Gehirne stellen demnach ebenso wie alle anderen materiellen Erscheinungen des Universums bloß virtuelle Konstruktionen und Repräsentationen von Bewusstsein dar. Bewusste Wahrnehmungen und Empfindungen wie Liebe und Angst können folglich nicht vom Gehirn erzeugt sein, sondern müssen fundamental und real als verschiedene Bewusstseinsqualitäten existieren. Wenn wir nun die Weltbevölkerung befragen würden, ob Liebe oder Angst der angenehmere Bewusstseinszustand sei, würde wohl niemand auf die Idee kommen, mit Angst zu antworten. Wenn wir außerdem mit Campbell unterstellen, dass Bewusstsein in einem Evolutionsprozess begriffen ist, scheint es nur eine logische Schlussfolgerung zu sein, dass die angepeilte Entwicklungsrichtung weg von Angst und hin zu bedingungsloser Liebe weisen muss. Angst und Hass führen stets zu Leid. Liebe hingegen führt zu Harmonie und Wohlbefinden. Deshalb ist Liebe erstrebenswert, Angst nicht.

VIDEO: Einführung in die My Big Theory of Everything von Thomas Campbell

115 Minuten, deutsch

Diese zweistündige Einführung in die Grundlagen der My Big Theory of Everything nähert sich der Theorie aus Richtung der Doppelspaltexperimente. Sie erklärt das grundlegende Modell und geht auf wichtige Implikationen für unser Leben ein.

Warum Zeit quantisiert und Bewusstsein fragmentiert ist

Liebe wäre demnach das logische Ziel eines Bewusstseins, das sich entwickelt. Entwicklung impliziert ihrerseits Zustandsveränderung. Dazu braucht das Ur-Bewusstsein (AUO) Zeit. Genauer ausgedrückt: Sobald sich der Bewusstseinszustand von AUO in einen anderen Zustand verändert hat, ist Zeit vergangen. Zeit ist demnach das Resultat von Zustandswechseln von Bewusstsein. Aus dieser Definition von Zeit ergibt sich, dass Zeit nicht kontinuierlich existieren kann. Vielmehr vergeht Zeit „Stück“ für „Stück“, nämlich bei jeder Zustandsänderung. Erfolgen diese Änderungen in einem als gleichmäßig wahrgenommenen Takt und noch dazu in sehr dichten Abständen, erscheint uns die Zeit wie ein kontinuierlicher Fluss. In Wirklichkeit ist sie laut Campbell aber „quantisiert“. Es gibt also kleinste Zeitsprünge, ohne dass dazwischen noch Zeit vergeht (weil zwischen diesen Sprüngen keine Zustandsveränderungen stattfinden).

Weil das Ur-Bewusstsein (AUO) das Einzige ist, was es wirklich gibt und es folglich keiner äußeren Beschränkung unterliegt, ist es frei. Es verfügt also über einen freien Willen. Allein das Streben nach Liebe ist durch den unterstellten Prozess der Evolution vorgegeben. Um sich dorthin zu entwickeln, probierte und probiert das Bewusstsein im Laufe der Zeit (durch Variationen seines Zustands) alles Mögliche aus. So teilte es sich laut Campbell in unzählige verschiedene Fragmente. Aus der Einheit wurde auf diese Weise eine Vielfalt. Vielfalt und Diversität sind evolutionär von Vorteil, weil durch sie die Zahl der möglichen Entwicklungswege wächst. Campbell nennt die durch Fragmentierung entstandene Bewusstseinsvielfalt „Absolute Unbounded Manifold“ (AUM) oder auch „Larger Consciousness System“ (LCS). Die einzelnen Bewusstseinsfragmente innerhalb dieser Vielfalt nennt er „Individuated Units of Consciousness“ (IUOC). Wir alle sind laut Campbell im Kern solche Bewusstseinsfragmente (IUOC) und damit Teile des Gesamtsystems.

Das Universum als physische Simulation

Zur Entwicklung unseres Bewusstseins benötigen wir laut Campbell ein geeignetes Lernumfeld wie etwa unsere physische Welt – eine Umgebung, in der wir durch praktische Entscheidungen unsere Bewusstseinsqualität zum Ausdruck bringen und durch das Lernen aus unseren Fehlern den Wunsch entwickeln können, uns zu verbessern. Entwickeln sich einzelne Bewusstseinsfragmente (IUOC) in Richtung Liebe fort, steigert dies die Bewusstseinsqualität im Gesamtsystem (AUM/LCS). Damit das gelingt, erzeugten spezialisierte Bewusstseinszellen des „Larger Consciousness System“ (LCS) verschiedene Universen als Lernsimulation. Diese simulierten Universen bezeichnet Campbell entweder als „Physical Matter Realities“ (PMR) oder als „Non-Physical Matter Realities“ (NPMR), je nachdem welchen Gesetzmäßigkeiten sie folgen.

In PMR sind die Gesetzmäßigkeiten sehr strikt, wie die Naturgesetze unserer physischen Welt.

NPMR können wir uns derweil ähnlich wie Traumwelten vorstellen, in denen Raum und Kausalität deutlich flexibler erscheinen. Laut Campbell sind NPMR und PMR ineinander verschachtelt – wie Simulationen innerhalb von Simulationen (siehe Abbildung). Trotz solcher Hierarchien ist keine dieser Realitäten wirklich fundamental – nur Bewusstsein selbst ist fundamental. Es handelt sich also bei PMR nur um virtuelle Räume innerhalb von anderen virtuellen Räumen (NPMR).

Wir als IUOC befinden uns laut Campbell eigentlich in einer nichtphysischen Simulation (NPMR), die wir aber im normalen Wachbewusstsein nicht wahrnehmen, weil wir uns von unserer NPMR aus in eine physische Lernumgebung (PMR) begeben. Das ist vereinfacht ausgedrückt in etwa so, als würde ein Gamer, der sich eigentlich in einem Computerspieleladen befindet, eine VR-Brille aufsetzen, die eine täuschend echt wirkende Spielumgebung simuliert. Der Gamer entspricht in diesem Bild einem einzelnen Bewusstseinsfragment (IUOC). Der Computerspieleladen samt aller anwesenden Personen steht symbolisch für die nichtphysische Bewusstseinssphäre (NPMR). Zu den hier anwesenden Personen zählen neben den Mitarbeitern des Ladens alle anwesenden Kunden und natürlich auch der Gamer selbst. Die Spielumgebung in der VR-Brille entspricht unserem physischen Universum (PMR). Der Betreiber des Computerspieleladens und zugleich der „Gameserver“ der PMR-Simulation ist das „Larger Consciousness System“ (LCS). Von dort erhalten wir unsere physischen Wahrnehmungen wie Bilder, Töne, Gerüche, Schmerzen und so weiter als multisensoriellen Datenstrom.

Die Frage ist natürlich, ob es irgendwelche Beweise für diese Theorie gibt und wie das alles genauer funktioniert. Hiervon handeln die nächsten Artikel in dieser Artikelsammlung. Zuvor wollen wir jedoch noch die Methodik beleuchten, mit der Thomas Campbell vorgegangen ist, um überhaupt zu seiner Theorie zu gelangen.



4) Campbells unorthodoxe Forschungsmethode: Eine kritische Einordnung

Seit den 1970er Jahren experimentierte Campbell mit außerkörperlichen Erfahrungen, um Wissen über die metaphysischen Strukturen unseres Daseins zu erlangen. Dazu kam es, nachdem er eher zufällig einen gewissen Robert Monroe kennenlernte. 

Robert Monroe (1915-1995) war ein erfolgreicher US-amerikanischer Unternehmer. Unter anderem besaß er eine Musikproduktionsfirma und mehrere Radiosender. Nach eigenen Angaben erlebte Monroe seit 1958 unzählige außerkörperliche Erfahrungen – zuerst spontan und ungewollt, später dann gezielt. Monroe war von seinen Erfahrungen derart überwältigt, dass er beschloss, das Phänomen auch wissenschaftlich zu untersuchen. Zu diesem Zweck gründete er das „Monroe Institute“ im US-Bundesstaat Virginia, das bis heute fortbesteht. In den 1970er Jahren machte er seine Erfahrungen in „Journeys Out of the Body“ publik. Es war weltweit eines der ersten Bücher zum Thema „außerkörperliche Erfahrungen“ überhaupt.
 
Das Buch weckte auch das Interesse von Campbells damaligem Vorgesetzten, der von Campbell wissen wollte, was er davon hält. Um das besser beurteilen zu können, beschloss Campbell, Robert Monroe zu besuchen. Dabei gewann er den Eindruck, dass es sich bei Monroe um einen integren und authentischen Mann handelt. Im Übrigen wirkte Monroes Anwesen auf Campbell viel zu imposant, als dass Monroe als wohlhabender Unternehmer es nötig gehabt hätte, mit einem Buch über erfundene Bewusstseinserfahrungen Geld zu verdienen. So schlussfolgerte Campbell, dass er die Geschichte mit den außerkörperlichen Erfahrungen ernst nehmen und der Sache auf den Grund gehen müsse. Hierfür arbeitete er fortan mit Monroe zusammen. Die beiden experimentierten mit verschiedenen Verfahren, um außerkörperliche Erfahrungen herbeizuführen und sie zielgerichtet zur Erforschung nichtphysischer Realitäten einzusetzen. Schon bald gelang es Campbell seiner eigenen Darstellung folgend, zuverlässig und zielsicher in den außerkörperlichen Zustand einzutreten und die Welten zu erkunden, die sich ihm dann darboten. Nach drei Jahrzehnten außerkörperlicher Forschung entwarf er auf dieser Basis seine „große Theorie von Allem“, die Gegenstand dieser Artikelsammlung ist.

Die Tatsache, dass Campell sein Wissen auf eine Weise erlangt hat, die für „Nicht-Astralreisende“ absolut nicht nachvollziehbar ist, stellt für ein wissenschaftlich geschultes Publikum natürlich eine schwer verdauliche Herausforderung dar. Als Außenstehender kann niemand feststellen, was Campbell auf seinen außerkörperlichen „Reisen“ erlebt hat. Die Herleitung seiner Theorie ist darum in einem klassisch-wissenschaftlichen Sinne, also objektiv, nicht überprüfbar. Deshalb wird Campbells Arbeit unter Akademikern auch nicht diskutiert. Weil die gewöhnliche Physik außerkörperliche Erfahrungen als Halluzination des Gehirns abtut, stuft sie Campbell und das Monroe-Institut als pseudowissenschaftlich ein.

Hier zeigt sich wieder die Unvereinbarkeit zweier Paradigmen (siehe hierzu die Artikelseite "Starre Paradigmen und kognitive Dissonanz"). Der Materialismus der Naturwissenschaften lässt nun mal keine paranormalen Phänomene, keine außerkörperlichen Erfahrungen und keine nichtphysischen Welten zu. Als real gilt nur, was objektiv und wiederholt überprüfbar ist. Mit solch einem Paradigma lässt sich die jenseits des materiellen Universums liegende Wirklichkeit aber nicht erfassen. Umso bedauerlicher ist es, dass potenziell aufschlussreiche Ansätze wie Campbells Simulationstheorie bislang ignoriert werden. Dass Campbells Theorie in vielerlei Hinsicht objektiv nicht überprüfbar ist, kann und sollte bei der Suche nach Wahrheit nicht als Ausschlusskriterium gelten. Denn wenn es um Forschung im Bereich des Metaphysischen geht, liegt Subjektivität notwendigerweise in der Natur der Sache. Eine objektive Erforschung von Bewusstsein ist gar nicht möglich. Bewusstsein kann man ja weder sehen noch anfassen. Der Weg zum Bewusstsein ist darum ein Weg in das Innerweltliche. Die objektive Vermessung der materiellen Außenwelt hilft uns an der Stelle einfach nicht weiter. Jeder kann nur sein eigenes Bewusstsein spüren und seine eigenen Erfahrungen machen. Zwar könnten im besten Fall zwei oder mehr Menschen unabhängig voneinander Astralreisen unternehmen, die sie an denselben metaphysischen Ort führen. Sofern alle Astralreisenden nach ihrer Rückkehr übereinstimmend von den gleichen Erlebnissen berichten, wäre das ein starkes Indiz dafür, dass die metaphysische Erfahrung objektiv stattgefunden hat und nicht nur subjektiv halluziniert wurde. Genau dies haben Campbell und ein weiterer Kollege am Monroe Institut (Dennis Mennerich) nach eigenen Angaben auch wiederholt erfolgreich vollbracht. Aber auch hier bleibt das Erlebte exklusiv im Geiste der Beteiligten selbst und ist durch Dritte nicht überprüfbar – anders als bei Messdaten oder Videoaufzeichnungen eines Laborversuchs mit gegenständlicher Materie. 

Campbell ist sich dieser erkenntnistheoretischen Schwierigkeit durchaus bewusst. Aus eben diesem Grund lautet der vollständige Titel seiner Buchtrilogie „My Big Theory Of Everything“, also „Meine große Theorie von Allem“. Das „My“ will keinen Stolz und keine Selbstverliebtheit ausdrücken. Im Sinne der hier besprochenen Problematik verweist Campbell damit bloß auf den Umstand, dass seine Theorie auf seiner subjektiven Bewusstseinsforschung basiert. Campbell lädt jeden seiner Leser dazu ein, durch regelmäßige Meditationspraxis eigene Bewusstseinserfahrungen zu machen, die dazu dienen können, die ein oder andere Kernaussage seiner Theorie zu überprüfen und sich im Falle eines Widerspruchs eine alternative Theorie zu erschaffen. Das Problem bei dieser Art von Überprüfung ist nur, dass sie für die große Mehrheit der Menschheit nicht so leicht realisierbar ist. Es mag haufenweise Ratgeberliteratur zur Herbeiführung außerkörperlicher Erfahrungen geben (mehr dazu in unserer Artikelsammlung zu den außerkörperlichen Erfahrungen). Eine stets zuverlässige und zielsichere Anwendung von Astralreisen zu Forschungszwecken dürfte dennoch nur den Allerwenigsten gelingen.

Fürs erste mag es deshalb hilfreich sein, sich empirische Indizien anzuschauen, die für den virtuellen Charakter unserer Realität sprechen. Welche das sind und warum die entsprechende Argumentation durchaus handfest ist, erfahren sie auf der nächsten Artikelseite.

5) Weiterführende Informationen und Buchtipps