Immer wieder gibt es Menschen, die unerklärliche Bewusstseinsleistungen vollbringen. Des Weiteren gibt es eine Reihe von Forschern, die sich mit außergewöhnlichen, scheinbar "übersinnlichen" Wahrnehmungen von Menschen befassen. Beides rückt erneut die Frage nach der Natur des Bewusstseins ins Zentrum: Ist das alles noch mit "normaler", materialistischer Wissenschaft erklärbar? Oder steckt doch mehr dahinter?
1.1 Stephen Wiltshire - die lebende Kamera
Im Alter von drei Jahren wurde er als autistisch diagnostiziert. Im Alter von fünf Jahren stellte ein Lehrer an der Queensmill School in London fest, dass die einzige Aktivität, bei der Stephen wirklich in seinem Element war, das Zeichnen war. Es war sein Weg, mit der Welt zu kommunizieren. Neben Autos begann Stephen im Alter von sieben Jahren, Landschaften und Städte zu zeichnen. Als Stephen neun Jahre alt wurde, lernte er schließlich zu sprechen und begann kurz darauf seine Karriere als Künstler.
1987 kam Stephen mit der Literaturagentin Margaret Hewson in Kontakt. Sie vermittelte Stephen die Möglichkeit an der angesehenen City and Guilds of London Kunsthochschule Zeichnen und Malerei zu studieren. Im Jahr 1998 schloß Stephen sein Studium dort ab. Was Stephen einzigartig macht und von anderen Künstlern unterscheidet, ist sein fotographisches Gedächtnis kombiniert mit der Fähigkeit, diese inneren Bilder später auf einer Leinwand zu reproduzieren. Er nahm im Laufe der Jahre an mehreren Fernsehdokumentationen teil, bei denen er mit einem Hubschrauber über unterschiedliche Metropolen geflogen wurde und später seine Eindrücke auf einer gigantischen Leinwand wiedergeben sollte. Es ist unglaublich, wie detailgetreu er alles behält und dann aufzeichnet.
10:26 Minuten, englisch
Dies ist ein kurzer Dokumentarfilm über Stephen Wiltshire - gedreht in Houston im April 2016.
1.2 Jill Price - Ein Gedächtnis ohne Lücken
Es gibt nur etwa 20 Menschen auf der Erde, denen auch diese Diagnose gestellt wurde.
In Jill's Verstand läuft praktisch permanent ein paralleler Film zu dem ab, was sie gerade im Alltag erlebt und sie kann diesen zweiten Film nicht einfach abstellen. Im Alter von 8 Jahren (im Juli 1974) bemerkte sie, dass sie sich an fast alle Erlebnisse ihrer Kindheit erinnern kann - allerdings eben nicht an absolut alle.
Die lückenlosen Erinnerungen beginnen für Jill am 5. Februar 1980 - als sie 14 Jahre alt war. Seit diesem Tag kann sie sich an alles erinnern, was sie an jedem Tag erlebt hat. Sie kann sich dabei nicht nur genau an das erinnern, was sie jeweils getan hat, sondern sie kann auch präzise Daten für Ereignisse im Weltgeschehen nennen oder sich an die Sendetermine und den Inhalt ihrer Lieblingsfernsehserien von vor 30 Jahren oder eben einfach nur an das Wetter am jeweiligen Tag erinnern.
Im Jahr 2000 kontaktierte Jill den Neurobiologen Dr. James McGaugh von der Universität von Kalifornien-Irvine, weil sie sich von ihm Hilfe erhoffte. McGaugh begann seine Untersuchungen damit, Jill Fragen zu Ereignissen des Weltgeschehens zu stellen, die er zufällig aus einem Geschichts-Almanach auswählte. Er war schockiert über die präzisen Antworten, die Jill ihm gab. Nur eine einzige Frage beantwortet Jill "falsch", allerdings musste Dr. McGaugh mehrere Wochen später feststellen, dass der Almanach an dieser Stelle fehlerhaft war und dass Jill auch in diesem Fall recht hatte.
Dr. McGaugh nutzte auch die über 50.000 Seiten aus Jill's Tagebüchern, um mit ihrer Hilfe Jill's persönliche Erinnerungen der letzten 30 Jahre zu verifizieren. Dabei waren restlos alle Antworten, die Jill bei diesen Tests gab, korrekt.
MRT-Aufnahmen von Jill's Gehirn zeigten, dass ihr Gehirn in bestimmten Bereichen etwa das dreifache Volumen aufweist, wie das einer durchschnittlichen Frau ihres Alters. Aber abgesehen davon wurden keine weiteren Veränderungen festgestellt. Die tieferen Ursachen für Jill's Erinnerungsvermögen bleiben deshalb bis heute ein Mysterium.
8:59 Minuten, englisch
Im Jahr 2008 gab Jill Price ihr erstes Fernsehinterview - bis dahin wurde ihr Name geheimgehalten und in wissenschaftlichen Veröffentlichungen anonymisiert. Hier folgt ein Auszug des Interviews.
46:58 Minuten, englisch
Jill's Leben ist aufgrund ihres lückenlosen Gedächtnisses relativ kompliziert, da sie sich eben permanent an alles erinnern kann und viel über Fehler ihrer Vergangenheit nachdenkt, die andere Menschen einfach vergessen oder verdrängen würden. Nach ihrem Interview in 2008 war Jill sehr zurückhaltend was weitere Interviews betrifft. Im Jahr 2012 gab Jill dann jedoch dem Dokumentarfilmmacher Barnaby Peel für seinen BBC-Film "The Boy Who Can't Forget" (Der Junge der nicht vergessen kann) ein weiteres Interview. Dieser Film berichtet über Aurelien Hayman, einen damals 20-jährigen Studenten aus England, bei dem ebenfalls das hyperthymestischen Syndrom diagnostiert wurde.
1.3 Ben Underwood - Ein blinder Junge, der "sehen" konnte
Er brachte sich danach selbst bei, ein inneres Bild seiner Umgebung wahrzunehmen, indem er Klickgeräusche mit seiner Zunge erzeugte und das Echo der Klicks in ein inneres Bild umwandelte. Er begann damit im Alter von drei Jahren und verbesserte seine Technik, sodass er sowohl Echos von Gegenständen aus Metall, Holz oder auch anderen Menschen wahrnehmen konnte. Ben war in der Lage, den Abstand zu Gegenständen in seiner Umgebung dadurch zu lokalisieren, wie laut oder leise das Echo war.
Da er zwei Glasaugenprothesen trug, war seine Behinderung nicht auf den ersten Blick offensichtlich. Ben benutzte nie einen Blindenhund oder einen Blindenstock. Nachdem über seine ungewöhnliche Fähigkeit in den Medien berichtet wurde, war er zu Gast in Fernsehsendungen und es wurden Artikel über ihn geschrieben.
Die wichtigste Person in Ben's Leben war seine Mutter. Sie sagte ihm von klein auf: "Dein Name ist Benjamin Underwood und du kannst alles erreichen". Ben hatte auch ein spezielles Talent wahrzunehmen, wie andere Menschen über ihn dachten, ob sie ihn als Mensch ablehnten oder annahmen. Ben's Krebs kehrte im Jahr 2007 zurück. Diesmal war die Therapie nicht erfolgreich und Ben starb eine Woche vor seinem 17. Geburtstag.
3:02 Minuten, englisch
Dieses kurze englischsprachige Video gibt einen interessanten Einblick in die unglaubliche Geschichte von Ben Underwood.
2.1 Prof. Etzel Cardeña
Seine Hauptforschungsgebiete beinhalten ungewöhnliche Erfahrungen (wie scheinbare PSI Phänomene), hypnotische Neurophänomenologie und dissoziative Reaktionen auf Trauma sowie dissoziative Störungen. Er ist Mitglied zahlreicher Organisationen wie der APA und APS und kann inzwischen auf mehr als 400 Publikationen zurückblicken.
Im Jahr 2014 hat Professor Cardeña hat einen Aufruf verfasst, der sich für die gründliche Erforschung von PSI-Phänomenen sowie Anomalien von Bewusstsein ausspricht. Der Aufruf wurde von 90 Wissenschaftlern unterzeichnet, die meisten davon Professoren an renommierten Universitäten in der ganzen Welt. Leider blieb der Aufruf wirkungslos. Bis heutehin wird Forschung an ungewöhnlichen Bewusstseinsphänomenen von der Mainstream-Wissenschaft ignoriert, wenn nicht gar diskreditiert. Woran das liegen könnte, haben wir auf der Artikelseite "Starre Paradigmen und kognitive Dissonanz" erörtert.
2.2 Dr. Dean Radin
Nach einer Ausbildung zum professionellen Konzertviolinist hatte Dean Radin zunächst Elektrotechnik studiert, darin einen Abschluss mit Auszeichnung erlangt und daraufhin Psychologie studiert, worin er schließlich seinen Doktortitel erhielt. Neben mehrjähriger Tätigkeit als Ingenieur ist er nun seit dem Jahr 2000 Forschungsleiter beim IONS Institut für ganzheitliche Wissenschaft in Kalifornien. Seine Website finden Sie unter diesem Link: http://www.deanradin.com
Seine Versuche zu Telepathie und zu Vorwissen unseres Unterbewusstseins über unmittelbar bevorstehende Ereignisse zeigen deutlich, dass wir zahlreiche Phänomene unserer Realität mit einem rein materialistischen Weltbild nicht zufriedenstellend erklären können.
In den nachfolgenden Vorträgen und Interviews erhalten Sie einen ersten Einblick in seine Arbeit. Spezifischere Experimente und Studien werden in weiteren Artikeln dieser Rubrik "Bewusstseinsforschung" vorgestellt.
30:15 Minuten, deutsche Übersetzung
Dieses Interview ist schon etwas älter (2011), eignet sich aber am besten, Dean Radin und das Thema Parapsychologie vorzustellen. Der anschließende Vortrag aus dem Jahr 2018 bietet sodann einen noch tieferen Einstieg.
00:00 Wieso untersuchen Sie Anomalien im Bereich Bewusstsein?
01:05 Wieso sind die Ergebnisse von Versuchen mit Zufallszahlengeneratoren signifikant?
02:55 Worum geht es bei "Anstarr-Experimenten" und wie wurden sie entwickelt?
04:30 Wieso werden PSI Effekte von der Mainstream-Wissenschaft ignoriert?
10:30 Wieso ist die Erforschung von erweitertem Bewusstsein ein Tabuthema?
12:45 Was hat es mit Experimenten zu Vorahnung / Wissen über die Zukunft auf sich?
21:40 Nehmen Probanden die "tatsächliche" oder die "wahrscheinlichste" Zukunft wahr?
24:10 Wie wird sich die PSI-Forschung in Zukunft weiterentwickeln?
27:15 Was sind die philosophischen Implikationen der Bewusstseinsforschung?
28:20 Gibt es einen bewusstseinsbasierten Aspekt bei der Erschaffung der physischen Realität?
30:00 Ende des Interviews
44:49 Minuten, deutsche Übersetzung
In diesem Vortrag vom August 2018 geht Dean Radin auf die falsche Wahrnehmung von Parapsychologie und Psi-Phänomenen in der Bevölkerung ein und er stellt die historischen Wurzeln der Parapsychologie sowie neuste Forschungsergebnisse aus diesem Bereich vor. Dabei verweist er auf eine Reihe von Publikationen in anerkannten Wissenschaftsjournalen, sowie auf Bücher von Mainstream-Wissenschaflern, die den Materialismus als einzig gültiges Erklärungsmodell für Realität zunehmend in Frage stellen. Ein sehenswerter und auch teilweise unterhaltsamer Vortrag, gehalten im August 2018 auf der 61. Jahrestagung der "Parapsychological Association" (https://www.parapsych.org/).
95 Minuten, englisch
In diesem englischsprachigen Vortrag aus dem Jahr 2008 geht Dean Radin der Frage nach, ob Telepathie, Hellsichtigkeit und andere Psi-Fähigkeiten wirklich existieren. Die Mehrheit der Bevölkerung glaubt an diese Fähigkeiten, aber weniger als ein Prozent aller Mainstream-Forschungs-Institutionen besitzt einen Fachbereich, der in diesem Gebiet forscht. Wieso wird einem Thema, an dem so weitverbreitetes Interesse besteht, mit so überwältigendem Schweigen in der Wissenschaft begegnet? Die Antwort liegt nicht am Fehlen wissenschaftlicher Beweise oder dem Mangel an wissenschaftlichem Interesse sondern es liegt eher an einem Tabu. Dean diskutiert die Natur dieses Tabu, zeigt einige empirische Beweise sowie kritische Reaktionen auf und spekuliert über deren Bedeutung.
2.3 Prof. Adrian Parker: Eine Übersicht der Beweise für PSI-Phänomene
Zusammen mit Göran Brusewitz, Präsident der schwedischen Gesellschaft für Parapsychologie, hat er anhand einer kritischen Überprüfung verschiedener Studien bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts eine Übersicht zu Beweisen für paranormale Phänomene erstellt. Nachstehend wird der entsprechende Artikel der beiden Autoren in Kurzform vorgestellt.
Hier geht es zur Website von Prof. Parker an der Universität vom Göteborg: https://www.gu.se/en/about/find-staff/adrianparker