Im Einstig zum vorigen Artikel wurde erwähnt, dass die Neurowissenschaftler mit verschiedenen bildgebenden Verfahren nachweisen können, welche Gehirnareale bei welcher Art von Gedanken, Emotionen und Handlungen aktiv sind. Daraus schließen sie vorschnell, dass solche Gedanken, Emotionen und Handlungsabsichten auch im Gehirn entstehen. Nachdem wir anhand unserer Analogie vom „metaphysischen Computer“ nachvollzogen haben, dass prinzipiell auch eine umgekehrte Verursachung vorliegen könnte (Gedanken, Emotionen und Handlungsabsichten wirken auf das Gehirn), lassen sich verschiedene Effekte, die durch die Neurowissenschaft erforscht wurden und werden, ganz anders interpretieren.
Betrachtet man Bewusstsein indessen als eine eigenständige, metaphysische Seinseinheit, lässt sich die Mediation als Vorgang deuten, der vom Bewusstsein ausgeht und im Gehirn nur seinen physischen Ausdruck findet. Wenn das Bewusstsein in der Meditation zur Ruhe kommt, sendet es weniger dichte Informationen an das physische Gehirn und lässt auch weniger Informationen aus der Außenwelt an sich heran. Ablesbar ist das Ganze dann an einem Absinken der Gehirnwellen. Die Ruhe im Bewusstsein überträgt sich auf den Körper. Das ist in etwa so, als würde der Computer in den Ruhemodus gehen, die Informationsaufnahme durch die Tastatur abblocken und beim Monitor auf den Bildschirmschoner umschalten. Die Ruhe im „metaphysischen Computer“ überträgt sich somit auf seine physischen Korrelate.
Zunächst entsteht im Gehirn ein positiver Glaube. Das setzt bestimmte Stoffe frei und Prozesse in Gang. Dadurch kommt es zu körperlichen Reaktionen, die tatsächlich eine medizinische Wirkung zeigen. Nicht das Medikament, sondern das Gehirn bewirkt in diesem Fall die (vorübergehende) Besserung.
Aus der Perspektive eines vom Gehirn unabhängigen Bewusstseins stellt sich der Zusammenhang anders dar. Der Glaube entsteht dann nicht durch Materie im Gehirn, sondern durch Gedanken im Bewusstsein. Die positiven Gedanken finden entsprechenden Ausdruck im Gehirn als physisches Korrelat des Bewusstseins. Das funktioniert wieder so, als würde der metaphysische Computer dem Monitor befehlen, hellere Farben anzuzeigen. Der Impuls für die (vorübergehende) Heilung liegt damit auf der Ebene des Bewusstseins.
Wenn Sie Koffein zu sich nehmen, greifen Sie in die Biochemie Ihres Gehirns ein. Dessen gewöhnliche Abläufe werden dadurch verändert. Das ist in etwa so, als würden Sie den Monitor dahingehend manipulieren, dass er eine bestimmte Farbe nicht mehr anzeigen kann. Oder bestimmte Farben würden durch einen entsprechenden technischen Eingriff viel heller und intensiver leuchten. Man könnte sich das auch so vorstellen, dass jemand die Tastatur dahingehend verändert, dass bestimmte Buchstaben nicht mehr gedrückt werden können (hemmende Wirkung). Oder bestimmte Tasten würden so empfindlich eingestellt, dass eine einfache Berührung zu einer mehrfachen Eingabe des entsprechenden Buchstabens führt (aktivierende Wirkung). Beachten Sie dabei bitte Folgendes: In beiden Fällen ist der Computer im Hintergrund nicht die Quelle der Veränderung. Das Bewusstsein als solches wird durch die physischen Drogen oder Medikamente gar nicht unmittelbar berührt!
Was sich ändert, ist zum einen der Informationsfluss von Tastatur zu Computer. Das ist vergleichbar mit den Eindrücken und Wahrnehmungen, die das Gehirn an das Bewusstsein sendet. Je nach Substanz können diese eingetrübt (zum Beispiel bei Alkohol oder Beruhigungsmitteln) oder erweitert beziehungsweise verzerrt sein (diverse psychoaktive Drogen). Unter Umständen werden gewisse Informationen auch gar nicht mehr übermittelt. Denken Sie zum Beispiel an Schmerzmittel. Stellen Sie sich vor, die Taste „S“ auf der Tastatur stünde symbolisch für Schmerzempfinden. Das ist vergleichbar mit einem bestimmten Baustein im Gehirn, der für die Übermittlung von Schmerzempfinden an das Bewusstsein zuständig wäre. Würde die Taste „S“ blockiert, sodass man sie nicht mehr herunterdrücken könnte, würde der Computer keinen Buchstaben „S“ mehr erhalten. In gleicher Weise spüren wir keine Schmerzen mehr, wenn Schmerzmittel die entsprechenden Schmerzreize im Gehirn blockieren.
Vom Gedächtnis haben wir weiter oben behauptet, es befände sich nicht im Gehirn, sondern im Bewusstsein. Die Alzheimer-Erkrankung gleicht darum keiner Beschädigung der Festplatte auf dem Computer, sondern einer Beschädigung am Monitor. Textinformationen, Bilddateien und Videoaufnahmen könnten demnach nicht mehr richtig am Bildschirm widergegeben werden. Auf den Alzheimer-Patienten bezogen bedeutet das: Sein Gehirn kann auf die Daten, die im Bewusstsein gespeichert sind, nicht mehr richtig zugreifen.
Für unser Modell des Gehirns als Sender und Empfänger für ein externes, metaphysisches Bewusstsein gilt also ganz allgemein: Krankheiten und Unfälle, die das Gehirn schädigen, beeinträchtigen niemals das Bewusstsein! Sie schränken nur dessen Wahrnehmungs- und Ausdrucksmöglichkeiten ein, weil aufgrund der Beschädigungen an der Sende- und Empfangseinheit (Gehirn) falsche oder keine Informationen an das Bewusstsein gesendet werden oder weil Informationen, die vom Bewusstsein ausgehen, nicht beziehungsweise nur schlecht empfangen und übersetzt werden.