Die Wissenschaft steht auf einem soliden Wissensfundament und kommt ganz ohne Glauben aus - so sehen es jedenfalls die meisten Außenstehenden und vielleicht sogar manch unreflektierter Wissenschaftler selbst. Tatsächlich aber geht notwendigerweise jede Wissenschaftsdiziplin von einigen Grundannahmen aus, für die es gar keine Beweise gibt und die oftmals auch gar nicht bewiesen werden können. Warum das so ist, erfahren Sie in diesem Artikel.
Wie sie „an sich“ (Kant), also unabhängig von unserer Art der Wahrnehmung beschaffen ist, können wir jedoch unmöglich wissen. Wirklich gewiss können wir uns eigentlich nur unserer bewussten Existenz sein (Descartes: „Ich denke, also bin ich“). Naturwissenschaftler setzen indessen wie selbstverständlich voraus, dass die Welt um uns herum objektiv existiert. Diese Annahme stellt die Kernüberzeugung und Grundlage all ihrer Forschung dar. Sie bildet damit das fundamentalste Axiom der Naturwissenschaften. Beweisen lässt sich diese Annahme freilich nicht. Das Axiom wird einfach „gesetzt“.
Weitere Axiome der Naturwissenschaft lauten, dass alles Seiende auf Materie basiert und unser Bewusstsein im Gehirn entsteht. Beide Grundannahmen werden als Ausgangspunkt für die weitere Theoriebildung und Forschung einfach so behauptet (obschon sie alles andere als solide sind. Siehe hierzu unsere Artikelsammlungen "Was ist eigentliche Materie?" sowie "Wo steckt das Bewusstsein?"). Auch der Urknall kann nicht ursächlich erklärt werden. Als Grund und Anfang allen Seins gilt er schlichtweg als „gegeben“. Die gesamte Kosmologie baut also letztlich auf einem Ereignis auf, das nicht hinterfragt wird und dessen Daseinsgrund völlig unbekannt ist. Somit ist an ihrer Basis selbst die Naturwissenschaft mystisch.
Geht man zum Beispiel von den zweifelhaften Annahmen aus, dass alles Seiende aus Materie besteht und unser Bewusstsein nur ein Gehirnprodukt ist, dann folgt daraus logisch zwingend, dass unsere Existenz mit dem physischen Tod endet. Gehen wir des Weiteren von der Annahme aus, dass das Universum mit dem Urknall zufällig aus dem Nichts entstand, folgt daraus logisch zwingend, dass unser gesamtes Dasein ein sinnloser kosmischer Zufall ist.
Hier haben wir es ganz offensichtlich mit psychologisch sehr schwerwiegenden Aussagen zu tun. Sie betreffen unser ganzes Selbstverständnis als Menschsein und wirken tief in unsere emotionale Grundverfassung hinein. Vermutlich liegt die Naturwissenschaft mit diesen Axiomen aber genauso daneben wie die Ökonomen mit ihrem „homo oeconomicus“ und den daraus abgeleiteten Konsequenzen.
66:47 Minuten, deutsch
03:50 Einleitende Kurzgeschichte
07:30 Begriffsdefinition: Axiome und Glaubenssätze
13:15 Wissenschaftliche Axiome und Glaubenssätze
28:20 Axiome außerhalb der Wissenschaft
51:20 Glaubenssätze außerhalb der Wissenschaft