Themenbereich
Bewusstseinsforschung

Studien zur Telepathie (1/2)
Studien aus dem 20. Jahrhundert


Auf dieser Artikelseite stellen wir Ihnen interessante Experimente von Wissenschaftern wie Prof. Grinberg-Zylberbaum, Dr. Marilyn Schlitz oder Dr. Daryl Bem vor. Die Verweise zu deren jeweiligen Fachartikeln finden Sie am Seitenende im Abschnitt "Weiterführende Informationen und Buchtipps".


1) Eine frühe Pionierstudie an Zwillingen

1965 erschien eine Pionierstudie zur nichtphysischen Kommunikation zwischen zwei Gehirnen in der Fachzeitschrift Science. Das Forscherduo Duane/Behrendt experimentierte dabei mit Zwillingen, die sechs Meter entfernt in zwei verschiedenen Räumen saßen. Bei dem einen Zwilling erzeugten sie durch direkte Gehirnwellenstimulation ein Alpha-Muster. Bei dem anderen Zwilling im Nebenraum zeigte sich sodann in zwei von 15 Fällen ebenfalls ein Alpha-Muster. Alpha-Wellen liegen in einem relativ niedrigen Frequenzbereich von 8 bis 14 Hertz. Nun könnte man vermuten, dass es sich bei diesen zwei Fällen um Zufälle handelt. Bei Kontrollversuchen mit nichtverwandten Personen gab es allerdings keinen einzigen Treffer. Ist auch das Zufall? Oder deuten die zwei Fälle von paralleler Gehirnwellenanpassung bei Zwillingen auf eine Art „außersinnliche Anregung“ des einen Gehirns durch das andere hin? Hat hier also vielleicht eine nichtphysische Kommunikation zwischen zwei Gehirnen von besonders eng verbundenen Menschen stattgefunden?

2) Das Meditationsexperiment von Prof. Jacobo Grinberg-Zylberbaum

Um das zu überprüfen, wiederholte ein Team um den mexikanischen Psychologieprofessor Jacobo Grinberg-Zylberbaum das Experiment in etwas anderer Weise. Ein wesentlicher Unterschied lag darin, dass sich die Versuchspersonen zuvor nicht kannten. Vor dem eigentlichen Experiment sollten sie sich jedoch durch eine gemeinsame, zwanzigminütige Meditation vorstellen, sich innerweltlich miteinander zu verbinden. 

Dann wurden sie in zwei getrennte Räume gebracht. Die Räume lagen etwas mehr als 14 Meter auseinander und waren elektromagnetisch abgeschirmt. Einer der beiden Probanden wurde jeweils in seinem Raum 100 Lichtblitzen ausgesetzt. Wie erwartet schlug sich diese visuelle Stimulation jedes Mal in dessen eigenen Gehirnwellen deutlich messbar nieder. Doch auch bei den Probanden im zweiten Raum zeigte sich bei manchen Durchläufen eine messbare Veränderung der Gehirnwellen, obschon ja diese zweiten Probanden keinen Blitzen ausgesetzt wurden. Bei einer Kontrollgruppe von Versuchspersonen, die sich zuvor nicht in gemeinsamer Meditation „innerweltlich verbunden“ hatten, zeigten sich keinerlei Veränderungen der Gehirnwellen beim jeweils zweiten Probanden.

VIDEO: Der Quanten-Aktivist - Dr. Amit Goswami

67 Minuten, deutsch synchronisiert

Dieser Dokumentarfilm stellt das Leben und Denken des Quantenphysikers Amit Goswami vor, der an der oben beschriebenen Studie von Prof. Grinberg-Zylberbaum mitgewirkt hat. Ab Minute 35:16 erläutert Goswami die Vorbereitung, Durchführung und Interpretation der Studie. Die dabei gezeigten Bilder vermitteln eine bessere Vorstellung vom Ablauf des Experiments.

3) Das Telepathie-Experiment von Dr. Daryl Bem

Im gleichen Jahr unternahm der renommierte Sozialpsychologe Daryl Bem ein weiteres Telepathie-Experiment. Aufgrund der bisherigen Studienlage ging er davon aus, dass eine nichtphysische Kommunikation zwar existiere, die Verbindung jedoch so schwach sei, dass sie durch kleinste Alltagsreize bereits übertönt werde und deshalb immer nur vereinzelt feststellbar sei. Darum versuchte er, seine Versuchspersonen in ein sogenanntes „Ganzfeld“ einzubetten. Damit ist ein Zustand gemeint, in dem die Wahrnehmung von äußeren Reizen durch eine gezielte Übertragung möglichst monotoner Sinneseindrücke verhindert werden soll. So wurden die Augen der Probanden mit zwei halben Tischtennisbällen und einer darüber liegenden Brille bedeckt, die mit rotem Licht bestrahlt wurde. Dadurch konnten die Versuchspersonen nichts weiter wahrnehmen als einen gleichförmigen Ozean aus rotem Licht. Über Kopfhörer wurde ihnen außerdem ein monotones Rauschen in die Ohren gespeist.

Die Probanden, die sich in diesem „Ganzfeld“ befanden, fungierten in Bems Experimenten als Empfänger. Andere Probanden, die als Sender fungierten, saßen in einem Nebenraum und sahen sich einen Film an. Sie sollten versuchen, das Gesehene gedanklich an die Empfänger im „Ganzfeld“ zu schicken. Die Empfänger sollten im gleichen Moment aussprechen, was sie wahrnahmen. Im Anschluss zeigte Bem den Empfängern zusätzlich vier verschiedene Filme, darunter jeweils auch denjenigen, den die Sender ihnen gedanklich „zugeschickt“ hatten. Die Empfänger sollten daraufhin benennen, welche der gezeigten Filminhalte sie empfangen hatten. Wenn die Empfänger einfach nur raten würden, müsste die zu erwartende Trefferquote bei vier Filmen durchschnittlich 25 Prozent betragen. Tatsächlich stellte Bem jedoch eine Trefferquote von 30 bis 40 Prozent fest – aus seiner Sicht signifikant genug, um von einem Beweis zu sprechen.

Skeptikern reicht das natürlich nicht aus. Sie vermuten methodische Mängel oder einfach eine zufällig höhere Trefferzahl. Außerdem zweifeln sie an der zuverlässigen Wiederholbarkeit der Resultate. Deryl Bem soll in einem Interview mit der Zeitschrift „Skeptical Inquirer“ angeblich selbst zugegeben haben, dass er keine erfolgreiche Reproduktion garantieren könne. Aber woran liegt das? Warum sollten Ergebnisse von parapsychologischen Experimenten wie diesem nicht zuverlässig reproduzierbar sein? Steckt tatsächlich eine schlampige Methodik oder eine falsche Deutung der vermeintlich rein zufälligen Resultate dahinter? Oder könnte es bei nichtphysischen Vorgängen wie der Telepathie vielleicht sein, dass die Resultate eines Experiments von der Persönlichkeit, dem mentalen Zustand und den mentalen Fähigkeiten der am Experiment beteiligten Personen beeinflusst werden und darum von Mal zu Mal variieren?

VIDEO: Telepathie-Experiment - Daryl Bem’s Versuchsaufbau

21:01, englisch

Dr. Bem wurde seitens der Skeptiker häufig vorgeworfen, methodisch nicht sauber gearbeitet zu haben. Dieser kurze Dokumentarfilm gibt einen Einblick in die Forschungsarbeit Daryl Bem's und verdeutlicht den Versuchsaufbau bei seinen Telepathie-Experimenten, sodass sich jeder selbst ein Bild machen kann.



4) Ein erstaunliches Gemeinschaftsexperiment einer Parapsychologin mit einem Skeptiker

Diesen Verdacht erhärtet ein Telepathie-Experiment, das die Parapsychologin Dr. Marilyn Schlitz in Zusammenarbeit mit dem bekannten Skeptiker Richard Wiseman durchgeführt hat. Dieses Gemeinschaftsexperiment aus dem Jahr 1997 funktionierte so: 

Zufällig ausgewählte Versuchspersonen setzten sich in ein Labor, wobei sie den Experimentator nicht sehen konnten. In 16 Sitzungen richtete der Experimentator seine Aufmerksamkeit bewusst auf die Versuchspersonen und starrte sie gezielt an. In 16 weiteren Sitzungen starrte der Experimentator die Versuchspersonen nicht an und richtete seine Aufmerksamkeit von ihnen weg. In beiden Fällen wurde der Hautleitwiderstand der Versuchspersonen aufgezeichnet, so wie man das auch von Lügendetektoren kennt. Damit wollten Schlitz und Wiseman herausfinden, ob die Versuchspersonen durch das Anstarren eine physiologische Erregung zeigen.

Insgesamt waren also 32 Sitzungen vorgesehen, zur Hälfte mit und zur Hälfte ohne Anstarren. Und jetzt kommt das Besondere: Einmal wurden die 32 Sitzungen von Marilyn Schlitz durchgeführt. Mit ihr als Experimentatorin zeigten die Versuchspersonen in den 16 „Anstarr-Sitzungen“ messbare Reaktionen, die signifikant höher lagen als in den 16 „Nicht-Anstarr-Sitzungen“. Dieses Ergebnis legt die Realität einer erfolgreichen nichtphysischen Kommunikation zwischen Schlitz und ihren Probanden nahe. Ein anderes Mal leitete Richard Wiseman 32 Sitzungen. Mit ihm als Experimentator blieben signifikante Unterschiede im gemessenen Hautleitwiderstand aus – und das, obschon er dasselbe Labor, dieselbe Vorgehensweise und dieselben Apparaturen nutzte wie Marilyn Schlitz. Für sich genommen legt seine Untersuchung nahe, dass telepathischer Kontakt nicht funktioniert. Er konnte die Ergebnisse von Marylin Schlitz nicht reproduzieren.
Der Verdacht, der sich hier aufdrängt, ist offensichtlich: Wiseman ist Skeptiker. Er hält Telepathie für unmöglich und glaubt nicht daran, dass das Experiment funktioniert. Marylin Schlitz ist Parapsychologin. Sie hält Telepathie für real und glaubt daran, dass sie funktioniert. Sie ist darüber hinaus geübt in Meditation und der Aufrechterhaltung fokussierter Aufmerksamkeit. Womöglich ist es ihre mentale Verfassung mitsamt ihrer Offenheit, die in ihren Experimenten einen Effekt ermöglicht, den Wiseman in seiner verschlossenen Skepsis nicht generieren kann.

Sollte die Persönlichkeit des Experimentators (und vielleicht auch der Probanden) tatsächlich eine unmittelbare Auswirkung auf die Versuchsergebnisse haben, würde das die Kriterien dessen, was einen wissenschaftlichen Beweis ausmacht, erheblich infrage stellen. In den Naturwissenschaften ist es egal, wie der Experimentator tickt. Materie verhält sich in Experimenten nicht anders, nur weil der Wissenschaftler nicht geübt in Meditation ist. In den Naturwissenschaften fördern wiederholbare Experimente stets dieselben Ergebnisse zutage. Und deshalb muss ein Forschungsergebnis, um als bewiesen zu gelten, stets wiederholbar sein (siehe hierzu unsere Artikelseite "Wann gilt etwas als wissenschaftlich bewiesen?“). Bei nichtmateriellen Vorgängen könnte das aber eben anders sein. Vielleicht unterliegen bewusstseinsbasierte Prozesse nicht der gleichen, mechanistischen Kausalität wie materielle Vorgänge. Wenn das der Fall sein sollte, ergäbe es freilich keinen Sinn, zu verlangen, dass solche Experimente stets mit dem gleichen Ergebnis reproduzierbar sein müssen, so wie man das aus den Naturwissenschaften kennt. Oder anders formuliert: Hält man daran fest, ein Versuchsergebnis erst dann wissenschaftlich anzuerkennen, wenn es beliebig oft unter beliebigen Umständen wiederholt werden kann, dürfte es für die Parapsychologie unmöglich werden, den verlangten Beweis jemals zu erbringen – selbst dann, wenn das zu untersuchende Phänomen (zum Beispiel die telepathische Kommunikation) real wäre.

5) Weiterführende Informationen und Buchtipps