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Rätselhafte Anomalien

Rätselhafte Funde und Bauwerke (4/5)
Fallbeispiel: Sacsayhuamán


Von Steinmauern aus ungewöhnlich geformten Megalithen, die unfassbar perfekt ineinanderpassen


1) Die Mauern von Sacsayhuamán und wie Historiker sie einordnen

Die Mauern von Sacsayhuamán liegen oberhalb der Stadt Cusco im südlichen Hochland Perus auf etwa 3400 Metern Höhe. Cusco gilt als einstiges Herz des Inka-Reiches und war im 15. Jahrhundert das politische, wirtschaftliche und religiöse Zentrum der Inka – daher auch der Name "Cucso" - er bedeutet so viel wie “Nabel”, “Mitte” oder “Zentrum”, die Stadt wurde entsprechend als „Nabel der Welt“ betrachtet. Heute ist Cusco UNESCO-Weltkulturerbe und ein Ausgangspunkt für Reisen zu berühmten Stätten wie dem Heiligen Tal und Machu Picchu.

Bildquelle: Wikimedia Commons (cc)

Die Mauern von Sacsayhuamán bestehen aus gigantischen, teils mehrere Tonnen schweren Steinblöcken, die ohne Mörtel millimetergenau ineinandergefügt wurden. 

Die Anlage soll im 15. Jahrhundert von den Inka erbaut worden sein. Schriftliche Quellen, die das eindeutig belegen, gibt es allerdings nicht. Die Zuschreibungen zu den Inka als Bauherrn beruhen nur auf Indizien und historischen Kontexten. Historiker vermuten, dass die Anlage Zeremonialzentrum und zugleich militärische Verteidigungsanlage war. Die charakteristischen Mauern beeindrucken durch ihre Präzision, Stabilität und die schiere Größe der Steinquader, von denen einige zu den größten jemals verbauten Steinen der Region gehören.

Bildquelle: Diego Delso, delso.photo


Die Mauern bestehen vor allem aus Diorit und Andesit, extrem harte Gesteine, die zum Teil über 100 Tonnen wiegen.

Für den Transport und das Heben der gewaltigen Steinblöcke halten Historiker eine Kombination aus natürlichen Rampen, menschlicher Zugkraft und einfachen Hebeltechniken für möglich. Die Steine wurden ihrer Einschätzung nach aus nahegelegenen Steinbrüchen über geneigte, festgestampfte Schleifbahnen gezogen, wobei große Arbeitskolonnen mit dicken Faserseilen aus Pflanzenfasern die Last bewegten. Für mittlere Distanzen könnten Holzrollen oder hölzerne Schlittenkufen verwendet worden sein, um die Reibung zu verringern, möglicherweise unterstützt durch Schmiermittel wie feuchten Ton oder Sand. An der Baustelle selbst wurden die Blöcke nach Darstellung von Historikern nicht mit Kränen, sondern über Erd- und Steinrampen in höhere Ebenen gebracht. Das präzise Einpassen erfolgte demnach mithilfe von Hebelbalken aus Hartholz, mit denen die Steine millimeterweise angehoben, ausgerichtet und über Keile unterfüttert wurden. Die finale Passgenauigkeit erreichten die Inka angeblich durch eine „trial-and-fit“-Methode: Ein Block wurde wiederholt an seinen zukünftigen Platz geschoben, markiert, entfernt und nachbearbeitet, bis er sich vollständig in die polygonale Struktur einfügte. Allerdings: Für all diese Vermutungen gibt es keinerlei Belege und keinerlei gesicherte Quellen. Es sind nur Hypothesen.

2) Warum abseitige Forscher die Mauern als "Out of Place"-Artefakt betrachten

Ähnlich wie im Fall der großen Pyramide von Gizeh weiß letztlich niemand mit Sicherheit, wie und wann dieses Bauwerk errichtet wurde. Das führt zu den üblichen Spekulationen, wonach eine frühere, technisch hoch entwickelte, aber durch eine apokalyptische Katastrophe verschollene Kultur als wahrer Erbauer der Mauern unterstellt wird (die Atlantis-Sage lässt grüßen). Die Inka hätten das Bauwerk demnach zu einem viel späteren Zeitpunkt bloß vorgefunden und für eigene Zwecke übernommen, ebenso wie die Ägypter dieser Theorie folgend die Pyramiden bloß von einer unbekannten Vorgängerkultur "geerbt" hatten.

Freilich gibt es für diese spekulative Theorie keine Beweise. Auch die Hypothese der "Präastronautik", wonach Außerirdische vor Jahrtausenden die Erde besucht und den Bau ausgeführt oder unterstützt haben könnten, lässt sich nicht belegen. Was die Zweifel an der klassischen Geschichtsschreibung dennoch so hartnäckig nährt, sind abgesehen von den fehlenden Quellen zur Urheberschaft und zum Bauvorgang die schiere Masse der Steine bei gleichzeitig schwer begreiflicher Präzision ihrer Verarbeitung. Die folgende Bildstrecke sowie das darunter verlinkte Video eines Besuchers der archäologischen Stätte von Sacsayhuamán vermittelt einen sehr guten Eindruck davon, warum es so schwer vorstellbar ist, wie und warum die mittelalterlichen Inka solch unfassbar kompliziert zu errichtenden Mauern gebaut haben könnten.

VIDEO: hochauflösende Nahaufnahmen der Mauern von Sacsayhumán

5:58 Minuten, englisch

Diese Aufnahmen stammen von einem Besucher der archäologischen Stätte von Sacsayhumán, der sich offenbar sehr für die Details interessiert und Spekulationen nährt, hier müsse eine uns unbekannte Technologie verwendet worden sein. Ob man dem nun folgen möchte oder nicht - diese Aufnahmen vermitteln jedenfalls ein eindrucksvolles und authentisches Bild des Mauerwerks.

Auch die spanischen Eroberer trauten ihren Augen kaum, als sie die Mauern zu Beginn des 16. Jahrhunderts erstmals erblickten. Explizit betonen sie in ihren Berichten, dass es kaum vorstellbar sei, wie Menschen so etwas erbaut haben könnten.

Nachzulesen ist das zum Beispiel beim Chronisten Pedro Sánchez de la Hoz. Er interpretierte Sacsayhuamán als Festung und schrieb:

„Diese Mauern sind das Schönste, was man unter den Gebäuden dieses Landes sehen kann, denn sie bestehen aus so großen Steinen, dass niemand, der sie sieht, sagen würde, dass sie von Menschenhand dort errichtet wurden, denn sie sind so groß wie Berg- oder Felsbrocken […] aber keiner von ihnen ist so klein, dass drei Karren sie tragen könnten. Diese Steine sind nicht flach, aber sehr gut bearbeitet und passen zusammen.“ (Mantilla G., Juan Carlos: Tiahuanaco and Sacsayhuamán, Berlin/Boston 2023, eigene Übersetzung)"

Pedro Pizarro, Cousin und Chronist des Eroberers und Analphabeten Francisco Pizarro, notierte nach ihrer Ankunft in Cusco:

„Auf einem Hügel hatten sie [die Inka] eine sehr starke Festung, umgeben von Mauern aus Steinen und mit zwei sehr hohen runden Türmen. Und im unteren Teil dieser Mauer befanden sich Steine, die so groß und dick waren, dass es unmöglich schien, Menschenhände hätten sie an Ort und Stelle setzen können ... sie waren so nah beieinander und so passgenau, dass die Spitze einer Nadel nicht in eine der Verbindungen hätte gesteckt werden können.“ (Moore, Jerry: A Prehistory of South America, Boulder 2014, eigene Übersetzung)

Jahrhunderte später haben Archäologen verschiedene Hypothesen angestellt, wie und von wem der Bau hätte realisiert werden können, wissenschaftlich fundiert sind diese Hypothesen mangels Quellen aber nicht. Es gibt in Sacsayhuanán außer den Mauern selbst auch keinerlei Überreste von Werkzeugen oder Rampen, die jene Hypothesen stützen und entsprechende Rückschlüsse auf die verwendeten Technologien erlauben würden. Leider lässt sich Stein als solcher auch nicht datieren, sodass noch nicht einmal zweifelsfrei der Zeitraum identifiziert werden kann, in dem die Anlage errichtet wurde. Wie bei anderen megalithischen Bauwerken bleibt darum auch die Errichtung dieses Bauwerks ein noch ungelöstes Rätsel.

3) Weiterführende Informationen und Buchtipps