Es war in den 1970er Jahren, als Claus Rahn erstmals mit mutmaßlich echten telekinetischen Fähigkeiten von sich reden machte. So kam es, dass auch einige Wissenschaftler auf ihn aufmerksam wurden und Untersuchungen mit ihm durchführten, unter anderem an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Dort stand Claus Rahn renommierten Physikern wie Prof. Lorenz Kramer (1941-2005), Prof. Klaus Eberhard (1940-2021) und Prof. Friedrich Rieß (1935-2021) für Tests zur Verfügung. Keiner der Wissenschaftler konnte ihm Betrug nachweisen. Und keiner hatte eine naturwissenschaftlich plausible Erklärung für das, was Claus Rahn dort anstellte. Gleichwohl hatte die Sache einen Haken: Claus Rahn gelang die Demonstration seiner Fähigkeiten nicht zuverlässig und nicht regelmäßig, sondern nur dann und wann. Die Atmosphäre musste stimmen, Claus Rahn musste sich in guter Verfassung fühlen. So fanden die Vorführungen mitunter zu vorgerückter Stunde in den Privatwohnungen der Physiker statt und nicht zu regulären Arbeitszeiten in den Laboren der Münchener Universität. Die Experimente waren also nicht zuverlässig reproduzierbar und fanden als Privatveranstaltungen außerhalb kontrollierter Bedingungen statt, was gegen naturwissenschaftliche Forschungsstandards verstößt.
Im Bereich des Paranormalen trifft man häufig auf dieses Phänomen: Wer übersinnliche Fähigkeiten für sich reklamiert, kann diese oftmals nicht zuverlässig und unter gleichwelchen Bedingungen demonstrieren. Skeptiker nehmen das zum Anlass, solche Fähigkeiten pauschal zu leugnen. Was sich unter kontrollierten Bedingungen nicht zuverlässig reproduzieren lasse, sei wissenschaftlich haltlos. Vielleicht sollte man an dieser Stelle aber auch die Kriterien hinterfragen, die man an die parapsychologische Forschung anlegt. Nach allem, was wir in dieser Online-Mediathek an Wissen über paranormale Phänomene zusammengetragen haben, gehorchen solche Phänomene anders als gewöhnliche physikalische Vorgänge keiner mechanistischen Kausalität. Aus unserer Sicht ist es darum wenig sinnvoll, sie nach den gleichen Maßstäben zu beurteilen. Selbst wenn übernatürliche Fähigkeiten nur dann abrufbar sind, wenn die Situation es erlaubt und die betreffende Person sich in einer dafür zuträglichen Verfassung befindet, können diese Fähigkeiten trotzdem beobachtet und überprüft werden.
Leider hat sich die wissenschaftliche Community zu diesem Eingeständnis noch nicht durchringen können. Deshalb erging es Claus Rahn letztlich genauso wie Nina Kulagina: Weil seine Experimente den strengen Forschungsstandards der Naturwissenschaft nicht genügten, sind sie nie in einem wissenschaftlichen Journal publiziert worden und fanden keinerlei Beachtung in der wissenschaftlichen Fachwelt. Dennoch schienen die Physikprofessoren, die Claus Rahn untersuchten, von seinen Fähigkeiten überzeugt. Davon zeugen ihre anekdotischen Berichte, die in einem Artikel des Nachrichtenmagazins Spiegel aus dem Jahr 1976 abgedruckt wurden:
„So berichtet etwa der Physiker Dr. Lorenz Kramer über einen Besuch Rahns in seiner Privatwohnung: Wir machten es uns beim offenen Kamin gemütlich. Einige passende Gegenstände waren bereitgelegt. Herr Rahn setzte sich und begann mit einigen Löffeln zu hantieren, entschied sich schließlich für einen unserer großen silbernen Suppenlöffel (Hochzeitsgeschenk). Dann wurde der Löffel auf dem Teetisch umgedreht niedergelegt. Herr Rahn ließ seine gespreizten Hände ca. sieben Zentimeter darüber schweben, und nach etwa zweimal hastig ausgestoßenem “Dreh dich“ begann der Löffel sich zu bewegen.
Aus dem Protokoll des Privatdozenten Dr. Klaus Eberhard: Etwa gegen 23.15 Uhr trafen wir in meiner Wohnung ein. Die Atmosphäre war sehr gelockert. Umso erstaunter war ich, als nach etwa 15 Minuten Herr Rahn mich bat, seinen Puls zu fühlen und meine Hand auf seine Brust zu legen. Ich konnte deutlich das starke und schnelle Klopfen seines Herzens spüren. Wir beide gingen in die Küche und suchten schließlich einen großen Löffel, Länge etwa 25 Zentimeter, aus. In suggestiver Weise sagte Herr Rahn einigemal »Dreh dich, dreh dich«, und nach wenigen Sekunden drehte sich der Löffel in der Tat um einen Winkel von etwa 90 Grad im Sinne einer Rechtsschraube.“
Was bleibt, sind also nur subjektive Zeugenaussagen der besagten Wissenschaftler. Das mag für einen wissenschaftlich anerkannten Beweis nicht ausreichen. Trotzdem besteht aufgrund der Seriosität der Zeugen und der von ihnen berichteten Vorkommnisse ein begründeter Anfangsverdacht, dass Claus Rahn tatsächlich über ungewöhnliche Fähigkeiten verfügen könnte.