Themenbereich
Religion, Mythologie und Spiritualität

Die 'Michael-Teachings' und der 'Ra-Kontakt' (5/7)
Reinkarnation und Karma


Wie sich laut "Ra" und "Michael" die Entwicklung unseres Bewusstseins vollzieht


1) Die “Planung” der Inkarnation

Dem menschlichen Inkarnationszyklus schenken die „Michael-Teachings“ besondere Aufmerksamkeit. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Entschlüsselung derjenigen Muster, nach denen unsere vielfältigen Erdenleben „organisiert“ werden. Hierbei spielt die Zahl 7 erneut eine Schlüsselrolle.

Laut „Michael“ können Seelen im Rahmen ihrer ursprünglichen Ausdifferenzierung aus dem „Tao“ sieben verschiedene Wesensausprägungen, sogenannte „Seelenrollen“ annehmen. Eine einmal angenommene „Seelenrolle“ bleibt über sämtliche Inkarnationen hinweg bestehen und bildet insofern den Hauptbestandteil unseres gleichbleibenden Persönlichkeitskerns oder unserer „Essenz“. Sie beeinflusst in entscheidender Weise, wie wir fühlen, denken und handeln. „Michael“ benennt die sieben Seelenrollen als Diener (Server), Priester (Priest), Künstler (Artisan), Weiser (Sage), Krieger (Warrior), König (King) und Gelehrter (Scholar).

Bitte assoziieren Sie mit diesen Begriffen keinesfalls konkrete Berufe oder Tätigkeiten! „Michael“ will mit diesen eher metaphorischen Rollenbezeichnungen bloß diejenigen „archetypischen“ Grundeigenschaften ausdrücken, die den Wesenskern der jeweiligen Seelen ausmachen. Diener empfinden demnach Erfüllung, wenn sie unterstützen, Priester, wenn sie trösten/verkünden, Künstler, wenn sie gestalten, Weise, wenn sie kommunizieren, Krieger, wenn sie konkret/aktiv handeln, Könige, wenn sie anleiten und Gelehrte, wenn sie Wissen erlangen und weitergeben. Wie und auf welche Weise die jeweiligen Seelen das in die Tat umsetzen, ist nicht festgelegt. Wer die Seelenrolle des Königs hat, muss kein Staatschef sein. Er kann seinen inneren Drang, anleiten zu wollen, auch in anderen Situationen ausleben. Und ein Gelehrter muss kein Lehrer oder Wissenschaftler sein. Seine Wissbegierde kann sich theoretisch auch auf profane Alltagsdinge beziehen. Vielleicht studiert diese Person in ihrer Freizeit Kochrezepte oder fuchst sich in Fußballstatistiken hinein.

Neben der fixen Seelenrolle bestimmen laut „Michael“ verschiedene variable Seelenmerkmale unsere Persönlichkeitsstruktur. Mit „variabel“ ist gemeint, dass diese Merkmale von Inkarnation zu Inkarnation ändern. „Michael“ nennt diese Merkmale „Overleaves“.

Hierzu zählen zum Beispiel unser Entwicklungsziel (Goal), unsere Mentalität (Attitude), unser Modus der Zielverfolgung (Mode), eine bestimmte Art von Zentrierung (Center), bestimmte Hindernisse (Obstacles) sowie unser Körpertyp (Body Type).

Jedem dieser Merkmale sind jeweils sieben Ausprägungen zugeordnet, aus denen die Seele vor ihrer Inkarnation jeweils eine (bei den Hindernissen zwei) aussucht. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Merkmal „Modus“ erlaubt eine Auswahl aus den sieben Möglichkeiten „Zurückhaltung“ (Reserve), „Leidenschaft“ (Passion), „Vorsicht“ (Caution), „Macht“ (Power), „Ausdauer“ (Perseverance), „Aggressivität“ (Aggression) und „Beobachtung“ (Observation). Pro Erdenleben wird sich eine Seele jeweils eines dieser sieben Merkmale aussuchen, was sich entsprechend auf die Charakterzüge dieses Menschen auswirken wird. Dasselbe gilt für alle anderen „Overleaves“, sodass für jede Inkarnation eine neuartige Kombination von Eigenschaften entsteht. So erfahren wir die physische Wirklichkeit aus der Wahrnehmung wechselnder Persönlichkeiten, wenngleich wir im Kern (in unserer „Seelenrolle“) und erst recht als „Funke“ des „Tao“ (in unserem „höheren Selbst“) stets dieselbe Wesenheit bleiben.

Inhaltlich hatten wir verschiedene Seelenrollen und Overleaves bereits auf der Artikelseite „Überprüfung von Channeling anhand der ‘Michael-Teachings’” näher erläutert, weshalb wir an dieser Stelle auf eine weitere Vertiefung verzichten können. Richten wir unsere Aufmerksamkeit stattdessen auf ein anderes bedeutsames Seelenmerkmal: das Seelenalter. 

Während die Seelenrolle über alle Inkarnationen hinweg gleichbleibt und die Overleaves von Inkarnation zu Inkarnation neu zusammengestellt werden, steigt das Seelenalter automatisch mit der Zahl der Inkarnationen an. Auch hier unterscheidet „Michael“ genau sieben Altersstufen: Säugling-Seele, Kind-Seele, junge Seele, reife Seele, alte Seele, transzendente Seele und infinite Seele. Nur die fünf ersten Seelenalter (bis zur alten Seele) werden in unserer physischen Daseinsform durchlaufen. Die letzten beiden Altersstufen sind den höheren, nichtphysischen Ebenen vorbehalten.

Die Charakteristika der verschiedenen Seelenalter wurden ebenfalls auf der oben genannten Artikelseite vorgestellt. Ergänzend sei hier nur angemerkt, dass jedes der sieben Seelenalter gemäß den „Michael-Teachings“ wiederum sieben Entfaltungsstufen umfasst, die der Reihe nach „absolviert“ werden müssen, ehe das nächste Seelenalter erreicht wird. Für das Abschließen unserer gesamten physischen Lernerfahrung von der ersten Entfaltungsstufe der Säuglingsseele bis zur letzten Entfaltungsstufe der alten Seele benötigen wir laut „Michael“ um die 100 Inkarnationen, die sich auf eine Zeitspanne von etwa 8.000 Jahren verteilen – wobei das nur eine grobe Orientierung darstellt und die tatsächliche Anzahl der Inkarnationen in Abhängigkeit der Bedürfnisse und des Willens einer Seele stark abweichen kann.

2) Parallelen zur Reinkarnationsforschung

Sowohl die „Michael-Teachings“ als auch das „Ra-Material“ bestätigen die Vermutung von Reinkarnationsforschern, wonach sich Kinder ihre Eltern vor ihrer Inkarnation gezielt aussuchen. In unserer Artikelsammlung zur Reinkarnationsforschung finden Sie das Fallbeispiel des kleinen James Leininger, der nach eigenen Angaben aus dem „Himmel“ heraus seine künftigen Eltern in einem rosafarbenen Hotel beobachtete und sie als geeignet beurteilte. „Ra“ schränkt allerdings ein, dass die freie Wahl der Eltern erst ab einem gewissen Reflexionsvermögen möglich sei, das sich im Laufe der Evolution in der „dritten Dichte“ erst noch entwickeln müsse. Bis dahin verlaufe Reinkarnation „automatisch“, wobei „Ra“ nicht weiter darauf eingeht, wie genau dieser „Automatismus“ funktioniert und welche Seele wann und warum in welchen Embryo inkarniert.

Vielleicht könnte bei der Steuerung von Reinkarnationsprozessen dasjenige eine Rolle spielen, was Rupert Sheldrake im Kontext seiner morphischen Felder als „Resonanz“ umschrieb. 

Das Grundprinzip der Resonanz kennt jeder aus der Musik: Wenn ein Gitarrist die Saiten seines Instruments in Schwingung versetzt, schwingt der Holzkorpus der Gitarre mit, wodurch der Klang lauter wird. Dieses Mitschwingen nennt man „Resonieren“, der Korpus fungiert also als „Resonanzkörper“.

Sheldrake nutzt das Konzept der Resonanz metaphorisch, um nichtmaterielle Informationsübertragung zu erklären (siehe unsere Artikelsammlung zu Sheldrakes morphischen Feldern). Um ohne physischen Träger miteinander kommunizieren zu können, müssen die betreffenden Akteure „resonieren“, das heißt es muss eine Art Verbindung und Gemeinsamkeit zwischen ihnen vorliegen. Deshalb funktioniert Telepathie laut Sheldrake vor allem dann gut, wenn sich die betroffenen Personen nahestehen, wenn sie sozusagen ähnlich „schwingen“. Verschiedene psychologische Experimente zur Telepathie, unter anderem mit Zwillingen, erhärten diesen Verdacht (siehe hierzu unserer Artikelsammlung über Studien zur Telepathie).

Womöglich passiert bei der Reinkarnation etwas Ähnliches: Kinder inkarnieren vorzugsweise bei solchen Eltern und in solchen sozialen und kulturellen Milieus, die ähnlich „schwingen“, wo also ähnliche seelische Eigenschaften dominieren.

In unserer Artikelsammlung zu Burkhard Heims sechsdimensionalem Weltbild sind wir mit dem Begriff der „Strukturähnlichkeit“ auf einen vergleichbaren Ansatz gestoßen. 

In Bezug auf den Reinkarnationskreislauf darf man sich „Strukturähnlichkeit“ freilich nicht als eine Ähnlichkeit von Formen vorstellen, wie wir das bei materiellen Strukturen tun würden. Gemeint ist eine Strukturähnlichkeit von seelischen Eigenschafen beziehungsweise von „psychisch-mentalen“ Komplexen, wie es in Heims eigentümlicher Terminologie heißt. Die „Michael-Teachings“ liefern mögliche Beispiele dafür, wie man sich diese Strukturähnlichkeit konkret vorstellen könnte:

Säuglings-Seelen etwa unternehmen erste „Gehversuche“ als Menschen und müssen in ihren ersten Inkarnationen zunächst lernen, mit einem physischen Körper und einer physischen Umwelt zurechtzukommen. Ihr primäres Ziel ist das Überleben. Sie resonieren darum mit einem Umfeld, dessen zentrale Herausforderung in der alltäglichen Sicherung der physischen Existenz besteht. Folglich inkarnieren sie vorwiegend in ärmeren Familien und Regionen, wo das Ziel der Menschen dasselbe ist, das auch sie verfolgen. Kind-Seelen, die Orientierung und Anleitung von Autoritäten suchen, benötigen ein Umfeld, in dem klare Regeln herrschen, die ihnen sagen, was richtig und was falsch ist. Sie resonieren mit Familien und Regionen, in denen strenge religiöse oder politische Vorschriften herrschen. Alte Seelen bevorzugen hingegen ein Umfeld, das viele Freiheiten mit sich bringt und ihnen ein recht müheloses Überleben gewährleistet. Zum Ende ihres Inkarnationszyklus wollen sie sich nicht mehr behaupten müssen. Vielmehr resonieren sie mit Lebensbedingungen, die ihnen Zeit für Inspiration und Introspektion eröffnen. In all diesen Fällen, so könnten wir mit Heim sagen, liegt eine „Strukturähnlichkeit“ vor.

„Strukturähnlichkeit“ oder „Resonanz“ könnte außerdem durch Sympathie und Vertrautheit zwischen Seelen entstehen. 

Seelen, die sich über viele Erdenleben und astrale Zwischenleben hinweg kennen und schätzen gelernt haben, harmonieren gut miteinander, was laut „Michael“ die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie sich stets aufs Neue begegnen.

Doch nicht nur die Zuordnung des sozialen Umfelds wird im Vorfeld einer Inkarnation festgelegt. Sogar einzelne Lebensereignisse können nach den „Michael-Teachings” in absichtsvoller Planung ins Auge gefasst werden. Der Zweck solcher Bestrebungen liegt darin, Erfahrungen zu generieren, die zu unseren Entwicklungserfordernissen passen. Davon berichtet auch „Ra”:

„Das inkarnierende Wesen, das sich des inkarnativen Prozesses bewusst ist, und deshalb seine eigene Erfahrung programmiert, kann die Menge an Katalyst oder, um es anders auszudrücken, die Zahl der Lektionen wählen, die es unterlaufen wird, um [sie] in einer Inkarnation zu erleben und daraus zu lernen. Dies bedeutet nicht, dass alles vorherbestimmt ist, sondern eher, dass es unsichtbare Leitlinien gibt, die Ereignisse formen, die entsprechend dieser Programmierung funktionieren. Wenn eine Gelegenheit verpasst wurde, wird eine andere erscheinen, bis der, sagen wir, Student der Lebenserfahrung versteht, dass eine Lektion angeboten wird und er sie durchläuft, um sie zu lernen.” (Elkins, Don; McCarty, Jim; Rückert, Carla L.: Der Ra-Kontakt, Oberkrämer 2021, S. 224)

3) Die Rolle des Karma

Ein Faktor, der zur Planung solcher Leitlinien beitragen könnte, ist das Karma.

Ähnlich wie im Buddhismus oder in Thomas Campbells Simulationstheorie wird Karma von „Michael” und „Ra“ nicht als Bestrafung aufgefasst, sondern als eine Art seelischer Ursache-Wirkungs-Zusammenhang, der sich wie ein unsichtbares Band über mehrere Leben hinweg erstrecken kann. In der Seelenlehre der „Quelle”, dem deutschsprachigen Pendant zu den „Michael-Teachings“, heißt es entsprechend:

„Karma ist kein Gesetz, erlassen von einer strengen Instanz, die unerbittlich darüber wacht, dass dieses Gesetz eingehalten wird. Karma ist vielmehr eine Gesetzmäßigkeit der physischen Welt und ihrer Erfahrungen. So wie Physis nicht denkbar ist ohne Schwerkraft und ohne Sauerstoff – zumindest nicht auf eurem Planeten –, so ist die Existenz in einem physischen Körper nicht möglich, ohne den Gesetzmäßigkeiten von Karma unterworfen zu sein. [...] Karma beschreibt die Gesetzmäßigkeit von Verantwortung. Und nur über Karma könnt ihr lernen, was Verantwortung und verantwortliche Liebe ist.” (Hasselmann, Varda; Schmolke, Frank: Welten der Seele, München 1993, S. 151)

Karma entsteht, wenn man andere in bewusster Absicht lieblos behandelt: „Ein Wesen, das auf eine bewusst lieblose Art in Handlungen mit anderen Wesen handelt, kann karmisch involviert werden.” (Elkins, Don; McCarty, Jim; Rückert, Carla L.: Der Ra-Kontakt, Oberkrämer 2021, S. 88)

Die so entstandene Spannung zwischen Täter und Opfer wird sich gemäß dem Gesetz des Karma automatisch ausgleichen, ähnlich wie auch in der physischen Natur ein Aufbau von Spannung (zum Beispiel zwischen unterschiedlichen Ladungen oder Luftmassen) nach einem Ausgleich drängt.

Und so wie in der Natur kleine und große Spannungen auftreten, kommen auch beim Karma kleine und große Verstrickungen zustande. Ein Mörder baut zum Beispiel eine größere karmische Spannung auf als ein Firmenchef, der einen Mitarbeiter auf unfaire Weise entlässt.

Um karmische Spannungen zu entladen, müssen die Ereignisse umgekehrt werden. Dann kann der Täter seine lieblosen Handlungen in vergleichbarer Weise an sich selbst erfahren und somit die Auswirkung seiner Taten besser verstehen lernen. Sofern eine „karmische Verstrickung” nicht im aktuellen Leben gelöst werden kann, wird sie ins nächste Leben mitgenommen. Die involvierten Seelen planen ihre Inkarnationen dann so, dass Gelegenheiten zum Ausgleichen des Karmas entstehen werden. Das ständige Aufbauen und Entladen karmischer Spannungen über mehrere Leben hinweg beschreibt „Ra“ als Trägheit einer fortgesetzten Bewegung, die nur dann gebremst oder gestoppt werden kann, wenn Menschen einander vergeben:

„Unser Verständnis von Karma ist das, was Trägheit genannt werden kann. Jene Handlungen, die in Bewegung gesetzt sind, werden sich fortsetzen, indem sie die Wege des Ausgleichens [sic!] verwenden, bis zu der Zeit, wenn das kontrollierende oder höhere Prinzip, das du mit eurem Bremsen oder Anhalten vergleichen kannst, angerufen wird. Dieses Stoppen der Trägheit von Handlung kann Vergeben genannt werden.“ (S. 229f.)

Auch „Michael” betont die Möglichkeit der Reduktion karmischer Aufladung durch Vergebung. Dies setze aber voraus, dass nicht nur das Opfer zu vergeben bereit ist, sondern auch der Täter eine ausreichende seelische Reife besitzt, die es ihm erlaubt, eine tiefgreifende Einsicht in seine Verfehlung zu erlangen. Gerade bei Menschen, die besonders skrupellose Taten begehen, sei das nicht unbedingt zu erwarten, weshalb es wahrscheinlicher sei, dass ihr Karma nicht durch das Ersuchen von Gnade, sondern durch physische Handlungen ausgeglichen werde.

Das Gesetz des Karma lässt sich empirisch weder bestätigen noch widerlegen, weil wir beim Eintritt in einen Menschenkörper von den Erinnerungen an unsere Vorleben abgeschnitten werden. Unter diesem Schleier des Vergessens können wir nicht wissen, ob unsere Handlungen und Leiden etwas mit karmischen Verstrickungen zu tun haben oder nicht. Insofern bleibt Karma ein Konzept, das man plausibel und glaubhaft finden kann oder auch nicht. 

Unzweifelhaft erscheint indes die Tatsache der Reinkarnation selbst, denn hierfür gibt es vonseiten der Reinkarnationsforschung überzeugende Indizienbeweise, die jeder Überprüfung standhalten (siehe hierzu unsere Artikelsammlung zur Reinkarnationsforschung). Abgesehen von der empirischen Indizienlage sprechen auch logische Erwägungen für die Reinkarnation. Wenn jeder Mensch nur einmal geboren würde, wobei der eine sein Glück in einer wohlhabenden und friedvollen Umgebung findet, während ein anderer im Elend aufwächst oder zu Tode gefoltert wird, dann gliche das Leben einer zynischen Lotterie. Ebenso absurd wirkt die Vorstellung mancher Religionen, wonach am Ende unserer einmaligen Leben – so unterschiedlich ihre Bedingungen gewesen sein mögen – eine Art Gerichtsurteil gefällt wird, das nur zwei Extreme kennt: Freispruch samt Belohnung (Erlösung/Himmel) oder Höchststrafe ohne jegliche Chance auf Haftentlassung (ewige Höllenqualen). Wo bleibt da die Differenzierung? Wo bleibt die Berücksichtigung der verschiedenen Lebensumstände? Und wo bleibt die Chance auf Wiedergutmachung?

Jedes demokratische, von Menschen gemachte Rechtswesen scheint gerechter als dieses vermeintlich göttliche Strafgericht. Es kann darum schwerlich göttlich sein.

Legt man stattdessen die Konzepte von Reinkarnation und Karma zugrunde, wirkt die Unterschiedlichkeit von Lebensbedingungen weder willkürlich noch ungerecht. Jeder könnte irgendwann vergleichbare Situationen erleben und jedes neue Leben birgt die Chance auf Wiedergutmachung und weiteren Lernzuwachs. Das macht die Unermesslichkeit menschlichen Leidens aus unserer Sicht zwar nicht erträglicher. Die Vorstellung, Kriege und Folter als wichtige Lernerfahrungen oder als notwendiges Ausgleichen von Karma anzuerkennenm bleibt verstörend. Die innere Logik des Konzeptes kommt trotzdem um einiges schlüssiger daher als die völlig aberwitzige Vorstellung eines nur einmaligen Lebens unter dem Damoklesschwert der ewigen Verdammnis.

Auch wenn das Konzept der Wiedergeburt in den alten Mythologien und großen Religionen der Menschheitsgeschichte mit Ausnahme des fernöstlichen Kulturkreises keinen Niederschlag findet, könnte es deshalb zutreffender sein als die Idee eines nur einmaligen Lebens.

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps