Themenbereich
Religion, Mythologie und Spiritualität

Die 'Michael-Teachings' und der 'Ra-Kontakt' (2/7)
Wer sind 'Michael' und 'Ra'?


Von Kollektivwesen und sozialen Erinnerungskomlexen: Ein Einstieg in die komplexen Lehren von Michael und Ra


1) Verschiedene Daseinsebenen

„Michael“ bezeichnet sich als ein „Kollektivwesen“ aus der „Kausalwelt“. „Ra“ präsentiert sich als „sozialer Erinnerungskomplex“ aus der „sechsten Dichte“. Um zu verstehen, was die beiden damit meinen, müssen wir uns mit ihren Ausführungen zur Struktur des Universums befassen. Ähnlich wie es die meisten Religionen und Mythologien behaupten, gliedert sich das Dasein laut „Michael“ und „Ra“ in vielfältige Realitätsebenen. Neben unserer physischen Daseinsform existieren gleich mehrere metaphysische Daseinsbereiche, in denen sich jeweils verschiedene Wesen aufhalten – zum Beispiel „Michael“ und „Ra“.

Die „Michael-Teachings“ unterscheiden jenseits der physischen Welt eine „astrale“, eine „kausale“, eine „akashische“, eine „mentale“, eine „messianische“ und eine „buddhaische“ Ebene (siehe Abbildung).

Die astrale Ebene ist der physischen Ebene am nächsten. Hier halten sich laut „Michael“ Verstorbene zwischen ihren Reinkarnationen auf. Menschen, die eine Nahtoderfahrung erleben, betreten ebenfalls zeitweilig diese Ebene. Außerdem beherbergt die Astralebene verschiedene Geistwesen, die in Religionen und Mythologien als Engel, Dämonen oder Dschinn bezeichnet wurden. Im Zuge von außerkörperlichen Erfahrungen können wir diese Ebene selbst bereisen. Auch beim Träumen berühren wir laut „Michael“ die Astralebene.

Das Besondere an der Astralebene ist, dass sie der physischen Erde in Teilen ähnlich sieht, zugleich aber Raum, Zeit und Kausalität völlig anders funktionieren. Wer will, kann dort durch Wände gehen, denn niemand ist mehr an die Gesetze der Physik gebunden. Stattdessen bestimmen unsere Gedanken und Vorstellungen dasjenige, was wir äußerlich sehen und wahrnehmen. „Michael“ beschreibt dies so: 

„Ein bemerkenswerter Unterschied besteht darin, dass die Flächen des terrestrischen Raums in dieser Dimension unbegrenzt sind und das geografische Gelände sich stark ausdehnen kann. Während bekannte Orientierungspunkte und charakteristische Erscheinungen der Erde immer noch vorhanden sind (die Ozeane, die Berge und so weiter), ermöglicht die formbare Natur der Ebene unbegrenzte Abweichungen von der Geographie, die alle von den fantasievollen und kreativen Wünschen derjenigen abhängen, die eine bestimmte Region bewohnen. Auf der Astralebene steht Strandgrundstück allen zur Verfügung, die es sich vorstellen können. Einschränkungen des Raums, die auf der Erde viel zu häufig vorkommen, gibt es im Astralraum nicht. Stellen Sie sich den Astralraum wie einen riesigen Baukasten vor, dessen einzigen Grenzen die der Vorstellungskraft sind. […] Beim Astralen geht es mehr um die inneren Manifestationen seiner Bewohner, während es beim Physischen eher um die äußeren geht.“ (Gregg, David: The afterlive: A definitive guide. 26 questions and answers about life after death on the astral plane)

Wenn sich auf der Astralebene das äußerlich Wahrnehmbare nach den inneren Vorstellungen richtet, dann wird sich unser jenseitiges Erleben zwischen unseren Reinkarnationen maßgeblich nach unserem Bewusstseinszustand richten. Daraus lässt sich eine Teilerklärung für dasjenige Erleben ableiten, was in manchen Religionen als „Höllenerfahrung“ interpretiert wird:

„Die Hölle ist nicht real in einem physischen oder astralen Sinne. In manchen Fällen kann die Hölle das innere Leiden einer gequälten Seele sein, das durch den formbaren Ton astraler Energie manifestiert wird, aber diese höllischen Konstrukte sind flüchtig und illusorisch. Im eigentlicheren Sinne ist die Hölle der Zustand eines Geistes, der von der Essenz (oder dem wahren Selbst) getrennt ist.“ (Gregg, David: The afterlive: A definitive guide)

Wer im Laufe seiner Reinkarnationen bereits ein gewisses Maß an Positivität und Verbundenheitsgefühl erlangt hat, dürfte insofern von „Höllenerfahrungen” verschont bleiben. Auch für „Michael“ selbst sind „Höllenerfahrungen“ unmöglich. Nach eigenen Angaben hat er die astrale Ebene schon vor Jahrhunderten in Richtung Kausalebene verlassen. Damit steht er außerhalb des irdischen Reinkarnationskreislaufs. Er wird weder als Mensch auf die physische Erde zurückkehren noch auf der Astralebene seine Zwischenleben verbringen. Vor allem aber ist „Michael“ auf der Kausalebene gar keine Einzelseele mehr. Er ist nun „mehrere“ – er wurde zu einer Kollektivwesenheit. Denn beim Übergang in die Kausalebene schließen sich Einzelseelen zu „Seelenfamilien“ zusammen. 

2) Seelenfamilien

Eine Seelenfamilie besteht laut den „Michael-Teachings“ aus etwa 1000 Einzelseelen (Fragmenten). Sich selbst beschreibt „Michael“ als aus 1050 Fragmenten bestehend. Folglich muss „Michael“ über ein unvorstellbar weites Bewusstsein mitsamt einem immensen Erfahrungswissen verfügen. Schließlich kann er nun auf die gesammelte Lebenserfahrung von über 1000 Seelen zurückgreifen, von denen seinen Angaben zufolge jede einzelne im Schnitt über 100 Inkarnationen (und Zwischenleben in der Astralwelt) hinter sich hat.

Seelen und Seelenfamilien haben und brauchen im Metaphysischen eigentlich keine Namen. Weil wir Menschen es aber gewohnt sind, uns mit Namen anzusprechen, hat das Kollektivwesen „Michael“ seinen menschlichen Empfängern vorgeschlagen, sie mögen ihn einfach mit demjenigen Namen ansprechen, den die letzte zur Seelenfamilie hinzugestoßene Einzelseele in ihrer letzten Inkarnation als menschliche Persönlichkeit getragen habe: „Michael“.

Neben „Michael“ gibt es übrigens noch eine weitere Seelenfamilie, die sich mit einer identischen Lehre an ein menschliches Medium gewandt hat. Weil auch diese Seelenfamilie keinen Namen trägt, wird sie von ihrer menschlichen Empfängerin, Varda Hasselmann aus Deutschland, einfach nur die „Quelle“ genannt. 

Skeptiker mögen Varda Hasselmann vorwerfen, die von selbsternannten Medien in den USA erfundenen „Michael-Teachings“ bloß ins Deutsche übersetzt zu haben, um sie dann in ebenso betrügerischer Absicht an ein deutschsprachiges Publikum zu verkaufen. Wer der Sache offener gegenübersteht, könnte hingegen die Tatsache, dass hier mehrere Medien von verschiedenen Entitäten eine inhaltlich weitgehend gleichlautende Botschaft erhalten haben wollen, als einen Hinweis darauf deuten, dass an der Lehre umso eher etwas Wahres dran sein könnte. Schauen wir uns an, wie Varda Hasselmanns „Quelle“ die Kausalebene, den „Wohnort“ der Seelenfamilien, näher beschreibt:

„In der kausalen Welt gibt es das, was ihr als Angst kennt, nicht mehr. Und weil es keine Angst gibt, gibt es auch kein Leiden, keine Dualität und keinen Schmerz, der bei euch, wie ihr wisst, meistens aus dem Getrenntsein oder Getrenntwerden entsteht. Es gibt kein Leben und Sterben, kein Kranksein und Gesundsein. Es gibt nur Existenz in Liebe und aus dieser Liebe heraus eine Anteilnahme an den Konflikten und den Wachstumsschmerzen all jener, die noch in der Dualität gefangen sind.“ (Hasselmann, Varda; Schmolke, Frank: Welten der Seele, München 1993, S. 202)

Ein Leben in liebevoller Verbundenheit, ganz ohne Angst und Leid, weckt Assoziationen mit einem himmlischen Erlösungszustand. Ihre Verbindung zur physischen und astralen Welt scheinen die Seelenfamilien in diesem Erlösungszustand aber keineswegs gekappt zu haben. Wie die „Quelle“ im obigen Zitat berichtet, nehmen Seelenfamilien auf der Kausalebene Anteil an unseren menschlichen Problemen. Sie verweilen also nicht passiv „im Himmel“, sondern bemühen sich aktiv, unser seelisches Wachstum zu unterstützen – zum Beispiel, indem sie uns per Channeling ihre spirituellen Weisheiten anbieten.

Mit ihrer Lehr- und Unterstützungstätigkeit vollziehen die Seelenfamilien zugleich einen eigenen Lernprozess. Insofern bedeutet das Erreichen der Kausalebene noch keinen Abschluss von Entwicklung:

„Wachstum durch Lernen und Wachstum durch Erfüllen von Aufgaben ist auf der kausalen Ebene ebenso nötig und wichtig wie auf der physischen. […] Die kollektiven Wesen der kausalen Welt entwickeln sich im Unterschied zu den Wesen der astralen Welt dadurch weiter, dass sie denen, die im physischen Körper leben, helfen, es sich mit den ohnehin schwierigen Inkarnationszyklen nicht allzu schwerzumachen.“ (Hasselmann, Varda; Schmolke, Frank: Welten der Seele, München 1993, S. 201f.)

Beispiel: Im Übrigen ist auch die kausale Ebene nur eine weitere Durchgangsstation. Weitere „Himmelssphären“, wie zum Beispiel die „mentale“ oder die „messianische“ Ebene, warten als zukünftige „Aufenthaltsbereiche“ (siehe Abbildung). ie Verwandlung von Raupe zum Schmetterling

Dabei werden die Seelenfamilien ihren ohnehin schon riesigen Erfahrungsschatz ein weiteres Mal ausdehnen, indem sie mit anderen Seelenfamilien zu noch größeren Entitäten fusionieren – bis sie schließlich in einem allerletzten Entwicklungsschritt die (Wieder-)Verschmelzung mit dem „göttlichen“ Ur-Geist (Tao) vollziehen:

„Um auf jeder Stufe unserer Weiterentwicklung mit anderen Einheiten der kosmischen Ordnung besser kommunizieren zu können, löst sich die Membran zwischen uns mit zunehmender Erkenntnis auf. […] Wir sind zusammengeschmolzen, haben aber die Erinnerung an unser Getrenntsein in der Physis nicht verloren. Unser Zustand ist ein Zustand des Vereintseins, der wiederum der Vereinigung des Tao noch nicht gleichkommt. In dem, was wir mit dem Begriff Tao beschreiben wollten, wenn wir es wirklich könnten, sind die grenzenlos vielen Entitäten oder Gruppen, wie wir es sind, wiederum zu einer Einheit verbunden, die uns unermesslich vorkommt. Um so mehr muss es für euch schwierig sein, eine solche Einheit ins Auge zu fassen.“ (Hasselmann, Varda; Schmolke, Frank: Welten der Seele, München 1993, S. 201f.)

Selbst aus der Warte solch hoch entwickelter Wesen wie „Michael“ und der „Quelle“ stellt also das All-Eine ein unbegreifliches Mysterium dar. Fest steht für die beiden nur, dass wir alle aus dem All-Einen stammen und auch dorthin zurückkehren werden.

3) Ebenen (Seinsbereiche) vs. Dichten (Bewusstseinszustände)

Wenden wir uns nun der Wesenheit „Ra“ zu und schauen uns an, was diese über das Wesen der Wirklichkeit zu sagen hat. Ähnlichkeiten zu den „Michael-Teachings“ bestehen insofern, als auch „Ra“ von sieben Stufen ausgeht. Diese Stufen bezeichnet „Ra“ als „Dichten“. Sie bedeuten allerdings etwas anders als die Ebenen von „Michael“ aus der vorigen Abbildung in Abschnitt 2. 

Während die Ebenen der „Michael-Teachings“ Daseins- beziehungsweise Wahrnehmungsbereiche beschreiben, sind mit den „Dichten“ im „Ra-Kontakt“ eher Bewusstseinszustände gemeint. Beispielsweise existieren wir Menschen, die Tiere, die Pflanzen und die uns umgebende Materie allesamt auf derselben, als physisch wahrgenommen Ebene, zeichnen uns innerhalb dieser Ebene jedoch durch unterschiedliche „Dichten“, also Bewusstseinszustände aus (siehe nachstehende Abbildung):

Je höher die „Dichte“, desto mehr Bewusstheit und Freiheit hat das Wesen, desto mehr weiß es also über die Schöpfung und desto vielseitigere Handlungen kann es ausführen. 

Die erste Dichte beschreibt den Bewusstseinszustand der unbelebten Materie, bei der allenfalls ein dumpfes Gewahrsein sowie die Anforderung einer stabilen Existenz im Raum vorherrschen.

Die zweite Dichte ist diejenige der Pflanzen und Tiere. Sie erweitert den Bewusstseinsraum der ersten Dichte um ein Streben nach Wachstum, was sich unter anderem in der Fortpflanzung zeigt.

Wir Menschen befinden uns in der dritten Dichte, dem Zustand des Selbst-Bewusstseins und der damit einhergehenden Entscheidungsfreiheit: Als Individuen, die sich ihrer selbst und ihrer Handlungen bewusst sind, können und müssen wir unser Tun bewusst lenken und reflektieren.

Der nächste Evolutionsschritt führt uns laut „Ra“ in die vierte Dichte, in der wir Liebe und Zusammenhalt lernen werden. Die vierte Dichte beschreibt einen Bewusstseinszustand, in dem man sich „der Gedanken Anderer-Selbste bewusst ist“ und bei dem „individuelle Differenzen ausgesprochen, aber dafür automatisch durch Gruppenkonsens harmonisiert werden.“ In der vierten Dichte vernetzen sich Einzelseelen zu einem immer dichteren Kollektivbewusstsein. „Ra“ nennt diese Kollektivwesenheiten „soziale Erinnerungskomplexe“. Die Individualität der Einzelseelen geht dabei nicht verloren. In Übereinstimmung zu den „Michael-Teachings“ verschmelzen Seelen nicht durch Aufhebung, sondern durch Integration. Auf diese Weise erweitern sie ihre Identität. Des Weiteren werden Seelen beim Übergang in die vierte Dichte laut „Ra“ dazu in der Lage sein, nichtphysische Realitäten wahrzunehmen und mit ihnen zu interagieren.

In der fünften Dichte geht es dann um Weisheit, in der sechsten Dichte um Einheit von Liebe und Weisheit und in der siebten Dichte schließlich um den Übergang zur Einheitserfahrung.

Die Kollektivwesenheit „Ra“ befindet sich nach eigenen Angaben in der sechsten Dichte. Die nachfolgende siebte Dichte umschreibt „Ra“ als eine Dichte der „Vervollkommnung und eine Wendung zu Zeitlosigkeit oder Ewigkeit.” Sie ebnet den Weg ins Einheitsbewusstsein, das keine Differenz mehr kennt:

„Auf der siebten Stufe […] werden wir, falls unsere demütigen Anstrengungen ausreichend sind, eins mit allem werden und so keine Erinnerung mehr haben, keine Identität, keine Vergangenheit oder Zukunft, sondern im All existieren.“ (Elkins, Don; McCarty, Jim; Rückert, Carla L.: Der Ra-Kontakt, Oberkrämer 2021, S. 266)

Die Entwicklung allen Seins vollzieht sich insofern ähnlich wie bei den „Michael-Teachings“ als ein Lernprozess. Auf jeder Stufe der Entwicklung gibt es für die Fragmente des All-Einen verschiedene Dinge zu erkennen und zu tun – bis sie sich schließlich in völliger Einheit erfahren.

4) Weiterführende Informationen und Buchtipps